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Hinter den Kulissen

English version below.

Für viele Besucher des MMK ist die einzigartige Architektur des Museums sowohl neutrale Ausstellungsfläche als auch Kunstwerk zugleich, denn kein Raum gleicht dem anderen. Der österreichische Architekt Hans Hollein ist für diesen postmodernen Entwurf verantwortlich. In der Arbeit „Legende“ von Max Eulitz wird er weitergedacht: Neben zwei Wandzeichnungen, die jeweils die Fassade des MMK und den Querschnitt des Hauses zeigen, produzierte der Künstler eine Publikation die insbesondere einen eigenen Entwurf für eine zukünftige Erweiterung des Museums präsentiert. Die Faszination für das Museum für Moderne Kunst, mit all seinen Vorzügen aber auch Ungereimtheiten, äußert sich in den Wandzeichnungen mittels Symbolen, die auf humorvolle Weise die negativen und positiven Aspekte des Hauses vor Augen führen.

Städelabsolvent Max Eulitz spricht im Interview über seine neueste Schwäche für Kryptowährungen und über seine noch bis zum 12. November im MMK 1 und MMK 3 ausgestellten Arbeiten.

Was bedeutet es für dich mutig zu sein?

Heutzutage bedeutet Mut vor allem demütig und anständig zu sein.

Ist es mutig im Jahr 2017 ein Künstler zu sein?

Nicht mehr oder weniger als im Jahr 2016 oder 1999. Aber sicherlich weniger als im Jahr 1941.

Kannst du uns ein paar Hintergrundinformationen zu deiner ausgestellten Arbeit geben? Wie bist du auf die Idee gekommen?

Das Fahrrad ist ein Geschenk des Flusses – Da habe ich nicht viel machen müssen. Ich sah das Fahrrad als es von der Stadt Frankfurt wegen Wartungsarbeiten aus dem Fahrwasser geborgen wurde. Es führte mir augenblicklich meine eigene Existenz in dieser Stadt vor Augen. Ich wusste, es ist Zeit zu gehen. Gleichzeitig war ich von der Artenvielfalt überrascht. Schalentiere sind ein robuster Indikator für eine gesunde maritime Lebenswelt. Das habe ich nicht erwartet.

Max_Eulitz_Trapped_in_the_Main_Stream_Gefangen_im_Main_Stream_2017Max Eulitz, Trapped in the Main Stream, 2017, Courtesy of the artist, Foto: Axel Schneider

Das ausgestellte Buch wiederum ist das Ergebnis einer längeren Beschäftigung mit dem MMK 1. Ursprünglich arbeitete ich an einem Projekt zusammen mit Angelo Mule, dem „Haus-Maler“, der bereits während der Bauphase als Maurer mitwirkte und seitdem, über ein Vierteljahrhundert kontinuierlich die Wände des Museums weisst. Aus dem Interesse an der Struktur hinter den Ausstellungen, stellten sich plötzlich Fragen zur post-modernen Architektur des Gebäudes, konkret, ob die Versprechen die mit diesem Baustil einhergingen auch erfüllt wurden.

Max_Eulitz_Legende_Legend_2017
Max Eulitz, Legende, 2017, courtesy of the artist, Foto: Axel Schneider

Wie hat dein Studium an der Städelschule deine künstlerische Arbeit geprägt?

Dogma, Ideologie und pädagogische Gesten wurden mir weitestgehend ausgetrieben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Hast du bevorstehende Projekte, auf die du dich freust?

Ich habe mich dazu entschieden meine Ersparnisse in Kryptowährungen zu investieren und ein bis zwei Tage die Woche mit Onlinehandel zu verbringen. Das macht mich örtlich flexibel und ich kann auf Residencies, Reisestipendien und Einladungen zu Austellungen kurzfristig reagieren.

Max_Eulitz_Legende_Legend_2017 2Max Eulitz, Legende, 2017, courtesy of the artist, Foto: Axel Schneider 

Eine allerletzte Frage: Welche Kryptowährung würdest du für das MMK empfehlen?

Ich würde Ether empfehlen. Es passt zum Museum als Institution. Es ist nicht nur Währung oder Zahlungsart, es ist vorallem „Treibstoff“ für dezentralisierte Apps in einem offenen Netzwerk. Man könnte es mit Humusböden für nachhaltiges, organisches Wachstum vergleichen, im Gegensatz zur Monokultur reiner Investment Spekulation.

 

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Behind the Scenes

Because no room is similar to the other, for many regular visitors of the MMK the unique architecture of the museum is both neutral exhibition space and artwork at the same time. The Austrian architect Hans Hollein who is responsible for the postmodern concept of the building is now being further thought in „legend“ from Max Eulitz. Besides two murals which show the cross section and the facade of the buildung, the artist produced a booklet which complements them. This complement distinguishes itself by having an own concept for a future extension of the museum. The fascination for the MMK with all its advantages but also its contradictions finds its expression in symbols within the murral, which highlight in a humorous way the negative and positive aspects of the building.

Städelgraduate Max Eulitz talks about his latest proclivity for crypto currencies and about his works in the MMK 1 and MMK 3 which are still exhibited until the 12th of November.

What does being brave mean to you?

For me, being brave these days means to be decent & humble.

Is it brave to be an artist in 2017?

Not more or less then in 2016.Or 1999. But definitely less than in 1942.

Can you give a little background information on your exhibited work. How did you come up with the idea behind?

The bike piece is a gift from the river – I didn’t really do much. When I saw the bike, after it was recovered by the city of Frankfurt due to maintenance work in the fairway, it reminded me of my own existence in this town, I knew it was time for me to leave. At the same time I was very touched by the diverse sealife of the river. Shellfish indicate a healthy maritime environment. I didn’t expect that.

The book I made is totally different. Initially I was working on a project with Angelo Mule, the in-house-painter of the Museum. He started in 1988 during the construction as a mason, then became the guy who painted the walls white for more than a quarter century now. Out of this personal interest in the structure behind the shows, I soon questioned the agenda of post-modern architecture and its promises. The book also deals with the genre of forewords and greetings in art-publications as well as opening up a fictional narrative in which the museum has been reconstructed. In addition to this, the wall drawing is meant to be a legend for staff and outlines sites within the museum which I refer to as ‚Pleasures & Dangers‘.

How have your studies at Staedelschule shaped your work?

Dogma, ideology, and pedagogic gestures were largely expelled from me.

Being a graduate of Städelschule, what are your plans for the future? Do you have upcoming projects you’re looking forward to?

I decided to invest my savings in crypto currencies. Now I look forward to a part-time job online-trading. This makes me flexible in terms of my current place of living, and I can react quickly when it comes to residencies, travel-stipends, and invitations for shows.

Last question: which crypto currency should we mine for MMK?

I’d go for ETHER. It fits to the institution of a Museum. Instead of only operating as currency or payment , it seeks to provide „fuel“ for the decentralized apps on the network. One could compare it with organic sustainable growing rather then a monoculture based on pure speculation.

 

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