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Kinetische Malerei

Eine nackte Frau mit ihren Füßen in einer Schlinge bewegt einen Stift über bemalte Wände ­– Das Plakatmotiv zur kommenden Ausstellung „Carolee Schneemann. Kinetische Malerei“ dokumentiert einen Ausschnitt aus Schneemanns Performance „Up to and Including Her Limits“ (1973-1976), in der die Künstlerin ihren gesamten Körper als Medium einsetzt. Im Zuge ihrer insgesamt zehn Inszenierungen passte Schneemann die Performance immer wieder an den jeweiligen Schauplatz an und ergänzte das Werk durch verschiedene Elemente, darunter sogar einmal ihre tote Katze. 

Was hat Carolee Schneemann zu dieser Performance inspiriert? Welche Intention steckt dahinter? Und was hat sie von ihrem „Experiment“ mitgenommen? Auf MMK Notes gibt Carolee Schneemann Einblicke in diese legendäre Arbeit:

Plakat

Up to and Including Her Limits

(Bis an ihre und einschließlich ihrer Grenzen)

Ich hatte das Bedürfnis, einen Ort visueller Simultaneitäten einzunehmen, Beweise für eine sich ändernde Mannigfaltigkeit vorzulegen. Als Landschaftsmalerin nahm ich Felder wechselnder Formen ein und körperliche Empfindungen des Windes, des Lichtes, der Temperatur beeinflussten meine Wahrnehmung. Ich saß auf Feldern, in Sumpfgebieten, am Rand gefrorener Teiche. Ich wärmte meine Ölfarben über der Flamme von Kerzen, die ich in den Schnee gesteckt hatte. Diese frühen Gemälde waren immer misslungen. In den Sechzigerjahren überführte ich die Malfläche dann mittels Collagen, Objekten und motorisierten Elementen in die dritte Dimension. Das war die offenkundige Folge des Abstrakten Expressionismus. Die Werke von Pollock, de Kooning konnte man nur mit optischer Muskelkraft betrachten – der ganze Körper war aktiv.

Carolee Schneemann_Up to and Including Her Limits_1973-77

Carolee Schneemann, Up to and Including Her Limits, 1973 – 1977, Documentation of the performance, New York 1976, Courtesy of C. Schneemann and P.P.O.W Gallery, New York, Foto: Alan Tannenbaum, © Carolee Schneemann, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

„Up to and Including Her Limits“ war das direkte Ergebnis von Pollocks körperbetontem Malprozess. Bei „Up to and Including Her Limits“ hänge ich im Gurt eines Baumchirurgen an einem knapp 2 Zentimeter dicken Hanfseil, an dem ich mich von Hand hochziehen oder herablassen kann, um so eine tranceartige Zeichenphase durchzuführen, bei der ich an meinen ausgestreckten Armen Bundstifte halte, mit denen ich auf die mich umgebenden Wände zeichne und so nach und nach ein Netz farbiger Markierungen anbringe. Mein gesamter Körper wird zum Werkzeug visueller Spuren, der Überreste der Körperenergie in Bewegung.

Das Einzigartige dieser Werke lag daran, dass ich sie der Form und Dimension entkleidete, mit denen ich zuvor gearbeitet hatte. Während „Up to and Including Her Limits“ sich zu einem Solowerk entwickelte, das Film und die zufällige Anwesenheit von Betrachterinnen und Betrachtern mit einbezog, wurde mir klar, dass ich beabsichtigte, das Folgende LOSZUWERDEN: 1. Performance, 2. Ein festgelegtes Publikum, 3. Geschirr ­ – das bei Erkundungen und Proben zum Einsatz kam, 4. Improvisation, 5. Sequenzen, 6. Bewusste Absicht, 7. Technische Hinweise, 8. Eine zentrale Metapher oder ein zentrales Thema. Was bleibt da übrig? 

Von Carolee Schneemann

Carolee, Schneemann: Up to and Including Her Limits, in: Ausst.kat. Carolee Schneemann. Kinetische Malerei, Salzburg (Museum der Moderne Salzburg), 2017, S. 228.

 

 

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