feeling

Take it slow

Internationaler Slow Art Day

Slow2

Wie lange betrachtet man eigentlich ein Kunstwerk im Museum? Ein oder zwei Minuten? Nach aktuellen Studien wäre dies schon überaus lang, denn der Durchschnittswert liegt bei ca. 20 Sekunden – also bei nicht mehr als vier Atemzügen. Kein Wunder also, dass man sich danach oft kaum an Einzelheiten erinnern kann. Zum Glück macht uns der „Slow Art Day“ jährlich darauf aufmerksam, mal den Entschleunigungsgang zu wählen und sich jeweils 10 Minuten auf maximal fünf Werke einer Ausstellung zu fokussieren. An diesem internationalen Tag des „slow views“, den der amerikanische Manager und Consultant Phil Terry ins Leben gerufen hat, steht Kunstbewusstsein statt Kunstkonsum an erster Stelle. Während einer einstündigen Betrachtung des Werkes „Fantasia“ (1943) von Hans Hoffmann gab sich Phil Terry 2008 einem Bewusstseins- und Assoziationsstrom hin, dessen nachhaltige Erfahrung er mit anderen teilen wollte. Daraus entstand ein Jahr später der „Slow Art Day“, welcher die essentielle Bedeutung der Betrachtungszeit in der Begegnung mit einem Kunstwerk hervorhebt: Zeit – sich inspirieren zu lassen, Zeit – das Gesehene zu reflektieren, Zeit – verwundert, verwirrt, berührt oder belustigt zu sein. So eröffnet sich ein Raum vielfältiger Sinneswahrnehmungen, denn Kunstwerke können nicht nur gesehen, sondern auch gespürt werden. Sozusagen eine pure Sinnesexplosion.

Zum diesjährigen Slow Art Day hier einige Anregungen für entschleunigte Betrachtungsphasen – von der Detailbetrachtung über Synästhesie bis hin zur Interaktion mit dem Werk:

Phase 1: Was sehe ich genau? Welche Materialien, Farben und Muster nehme ich wahr? Fallen mir besondere Details auf? Verändert sich das Werk nach längerer Betrachtung?

Phase 2: Weckt das Kunstwerk Assoziation bei mir bezüglich des Geschmacks oder des Klangs? Wie riecht das Werk?

Phase 3: Wie erfahre ich das Werk? Welche Reaktionen beobachte ich bei mir? Gibt es eine Parallele zwischen dem Werk und meiner eigenen Lebenssituation? Finde ich eigene Charaktereigenschaften im Werk wieder? Welche Beziehung besteht zwischen mir und dem Werk? Was kann ich vom Werk für mich mitnehmen?

Also, auf zu neuen Ufern der Erfahrung!

 

 

 

 

 

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