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Ein Katalog als Prozess

Das Katalog-Projekt zur Ausstellung „Willem de Rooij. Entitled“ im MMK 2 ist erschienen und spiegelt durch sein konzeptuelles Layout den musealen Ansatz einer Gesamtinstallation wider. Denn für die aktuelle Ausstellung im MMK 2 wurden erstmals drei Werkgruppen des Künstlers zusammengestellt und miteinander in Beziehung gesetzt. Die jeweiligen Publikationen zu den einzelnen Werkgruppen ergänzt ein Dokumentationsheft mit Installationsansichten der aktuellen Ausstellung im MMK 2. Die im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienenen Bände enthalten Beiträge von Philipp Ekardt, Manfred Hermes, Sven Lütticken, Pablo Martínez, Stephanie Moisdon, Vanessa Joan Müller und Axel Wieder.

Ausstellungskurator Klaus Görner stellte im Rahmen des MMK Talks mit dem Künstler Willem de Rooij und dem Kunsthistoriker Philippe Pirotte Anfang Dezember 2016 die Katalogbände erstmals vor.

In einem Gespräch mit dem Grafikdesigner Markus Weisbeck nehmen wir das nun erschienene Katalog-Projekt genauer in den Fokus. Weisbeck leitet das Grafikstudio Surface, gestaltete in diesem Rahmen das aktuelle Corporate Design des MMK und entwarf in Zusammenarbeit mit Willem de Rooij den Katalog.

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Katalogbände

MMK: Die Werke Willem de Rooijs nehmen aufeinander Bezug und bilden ein dichtes Netzwerk formaler Konzepte und struktureller Konstellationen. So stehen die Werke nicht nebeneinander, sondern bilden eine raumgreifende Gesamtinstallation. Wie haben Sie diesen Ansatz im Dialog mit dem Künstler grafisch umgesetzt?

Markus Weisbeck: Ideen der Ausstellungskonzeption greift der Katalogband „Entitled“ medienspezifisch auf. Die Publikation übernimmt zum Beispiel die jeweiligen, individuell gewählten Farbvariationen der Blumenarrangements „Bouquet“ durch die Kombination variierender Schrifttypen und Layouts.
Der Aspekt des „Netzwerkes“ spiegelt sich in der Cover-Komposition aller Bände wider: Die weißen Lackflächen führen einerseits die entsprechende Werkserie der Publikationen auf, andererseits zeigen sich diese als bandübergreifendes, verbindendes Element. Letztlich zeigt die Positionierung der Lackflächen eine Dynamik, die einen Kreis schließt, sodass sich das Innen-Cover des ersten Bandes auf der Umschlagseite des aktuellen Bandes der Ausstellung „Entitled“ findet.

Deckblatt des erstes Bandes und Umschlagseite des viertes Bandes

links: Deckblatt des erstes Bandes; rechts: Umschlagseite des vierten Bandes

MMK: Wie gestalten sich die Zusammenarbeit und der Austausch mit einem Künstler an einem Katalogprojekt und explizit mit Willem de Rooij?

MW: Ganz unterschiedlich. Es gibt Künstler, die sehr genaue Vorstellungen haben, die sich manchmal sogar schon in Layout-Skizzen konkretisieren. Aber auch genau das Gegenteil kommt vor. So meinte Gerhard Richter einmal bei der Präsentation eines Plakates für eine Einzelausstellung, warum er das beurteile solle – er könne als Künstler seine Bilder beurteilen und ich solle doch als Grafik-Designer die Entscheidung über sein Plakat treffen.
Bei Willem de Rooij entwickelte sich die Arbeit in einem sehr produktiven Prozess, der sich auf den Zeitraum von zwei Jahren erstreckte. Schon bei der Planung des ersten Bandes „About“ (2015) war klar, dass wir das entsprechende Layout auf die nächsten Kataloge zu de Rooijs Ausstellungen übertragen und daraus ein Katalog-Projekt entwickeln werden.
Mit der Festlegung bestimmter Layoutelemente haben sich die Gestaltungsparameter bis zum letzten Band der Publikationsreihe immer weiter verdichtet. So konnte der letzte Teil des Katalog-Projektes, der sich auf die aktuelle Ausstellung bezieht, sogar innerhalb von zwei Tagen umgesetzt werden, während die Arbeit am ersten Teil dagegen zwei Jahre gedauert hat.
Interessieren würde mich nun hypothetisch, wie sich ein „Reader“ über die entstandenen Katalogbände visuell darstellen lassen würde. Hierbei könnte man gemeinsam mit Willem de Rooij die Arbeit am Katalog resümieren und anhand spannender Texte über den Arbeitsprozess festhalten.

rechts: SMS-Austausch zwischen Willem de Rooij und Markus Weisbeck; links: Layout-Planung am Computer

links: Layout-Planung am Computer; rechts: SMS-Austausch zwischen Willem de Rooij und Markus Weisbeck

MMK: Das wäre dann sozusagen ein Katalog über einen Katalog. Können die entstandenen Katalogbände denn als ein Werk der Ausstellung verstanden werden?

MW: Die einzelnen Bände des Katalog-Projektes sind als begleitend zu den unterschiedlichen Ausstellungen und somit als autonome Objekte anzusehen. Die Autonomie wird vor allem dadurch deutlich, dass der Katalog nach Ausstellungsende weiter existiert.
Aufgrund des konzeptuellen Layouts geht der Katalog vielmehr auf einer Metaebene eine Einheit mit der aktuellen Ausstellung ein, da sich dort grundsätzliche künstlerische Ansätze de Rooijs widerspiegeln. Die räumliche Großzügigkeit der Inszenierung im MMK hätte man in der Kataloggestaltung auch vollkommen anders übersetzen können. Gestalterisch stand bei diesem Projekt allerdings vor allem die Umsetzung einer seriellen Anlage im Vordergrund.

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exemplarische Ansicht von Seiten des Kataloges

MMK: „Raum“ als Medium ist ein zentrales Thema in de Rooijs Werk. Wie eröffnen sich neue Räume bzw. Raumwirkungen in Katalogen?

MW: In Publikationen wie auch in der Architektur folgen wir in Bereichen von Layouts und Grundrissen meist Rasterprinzipien. Hier unterscheiden sich insbesondere funktionale und ökonomische Überlegungen.
Als eine auf den Raum bezogene Gemeinsamkeit von Katalog und Ausstellung ist die individuelle Variation der Betrachtungsdauer zu sehen: Es kommt immer darauf an, wie ich blättere oder schreite.

 

 

Die Katalogbände sind im Shop des MMK 1 und MMK 2 für insgesamt 90 Euro zu erhalten.

Das Interview führte Stella Coersmeier.

 

 

 

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