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Rundgang durch die Präsentation der Sammlung

Als wären alte Bekannte zu Besuch und hätten ganz viele neue Freunde mitgebracht. So ergeht es dem ein oder anderen Besucher des MMK 1, wo aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums eine neue Sammlungspräsentation zu sehen ist.

Die Neupräsentation erstreckt sich über zwei Ebenen und ist voller Werke, die im Lauf der letzten Jahre erworben wurden. Viele der Arbeiten sind erstmals zu sehen, andere waren schon einmal ausgestellt. So war die „Frankfurter Installation“ von Wolfgang Tillmans beispielsweise bereits vor fünf Jahren zu sehen, ebenso Isa Genzkens „Schauspieler II“ in ihrer großen Einzelausstellung vor einem Jahr.

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Carsten Nicolai, unidisplay, 2012, Foto: Axel Schneider

Was gleich auffällt, ist die große Zahl von Fotografien. „Etwa 2500 Werke, also knapp die Hälfte der Sammlung des MMK sind Fotografien“, erklärt der Sammlungsleiter Mario Kramer, „schon der langjährige Direktor Jean-Christophe Ammann liebte journalistische Fotografie und sah sie als gleichwertig zu anderen Kunstgattungen an“. Diese Offenheit für Neues kennzeichnet auch das Wirken der aktuellen Direktorin Susanne Gaensheimer. Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt, den Gaensheimer verfolgt, ist außereuropäische nicht-westliche Kunst. All das spiegelt sich in der aktuellen Ausstellung mit Arbeiten von Santu Mofokeng, Dayanita Singh, aber auch jungen Fotografen wie Tobias Zielony oder Adrian Williams und vielen anderen.

Zu den Highlights des Rundgangs gehört für viele Besucher die multimediale Installation „unidisplay“ des Künstlers und Musikers Carsten Nicolai, die jetzt wieder im ursprünglichen Raum zu erleben ist. Ein Stockwerk höher ist eine interaktive Installation von William Forsythe zu sehen. Der ehemalige Leiter und Choreograph der Frankfurter Forsythe Company zog bis vor Kurzem noch Scharen von begeisterten Besuchern in seine große Einzelausstellung im MMK. Die Pendel-Installation „Nowhere and everywhere at the same time“ wurde nun angekauft und ist dauerhaft für das MMK gesichert. Mario Kramer verrät auch, dass „unidisplay“ William Forsythes Lieblingswerk ist und er das Werk mit optischen und akustischen Effekten gerne in seine Ausstellung integriert hätte. „Das war damals nicht möglich, umso mehr freuen wir uns, dass dieser Wunsch jetzt etwas verspätet umgesetzt werden konnte“ – die beiden Werke ergänzen sich über die Ebenen hinweg als Pendants.

Aufmerksame Besucher werden in der Ausstellung noch weitere Analogien entdecken. Unter den Aufnahmen im Raum des Fotografen Gerald Domenig befinden sich auch einige, die Joseph Beuys bei den Aufbauarbeiten im deutschen Pavillon auf der Venedig Biennale im Jahr 1976 zeigen. Direkt nebenan findet sich die raumfüllende Installation von Beuys , „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“ (1958-85) . Eine Arbeit, die immerhin auch schon vor rund 30 Jahren erworben wurde.

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Dayanita Singh, Museum of Chance, 2014 / Museum of Little Ladies, 1961-2014 / Send a Letter, 2008, Foto: Axel Schneider

Das Motiv der Aufbewahrung, Inventarisierung und Archivierung sind die Leitgedanken bei den Präsentationen von Shane Munro und Dayanita Singh. Während die indische Fotografin ihre Bilderserien in eigens dafür gezimmerten Displays platziert und den manchmal über Jahrzehnte lang fortgeführten Serien Titel wie „Museum of Little Ladies“, „File Museum“ oder „Book Cart“ gibt, lässt Shane Munro eine Vergangenheit lebendig werden, die es so nicht mehr gibt. Als im Zweiten Weltkrieg die Artefakte des Weltkulturen Museums in Frankfurt vernichtet wurden, entsorgte man die Scherben. Lediglich die Karteikarten im Archiv überlebten als Zeitzeugen die Zerstörung. In seinen „Replica Tables“ bildet der Künstler diese antiken Keramikgefäße und Schalen verfremdet nach, deren Beschreibung seit 70 Jahren nur noch auf den dazugehörigen Karteikarten zu finden ist. Umgekehrt lässt er in seinen „Inventory Paintings“ auch die Karteikarten in Ton nachbilden. Die Kunst der Archivierung und die archivierte Kunst verschwimmen und formen ein neues Ganzes.

Mit knapp 30 etablierten wie jüngeren künstlerischen Positionen ergibt die aktuelle Sammlungspräsentation ein neues und spannendes Ganzes mit vielen überraschenden Momenten.

Ein Beitrag von Johanna Hunder

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