knowing

Literarische Wegweiser zu Meilensteinen der Kunst

Wäre es nicht spannend in den Kopf eines kreativen Geistes hineinschauen zu können und ihm beim Denken und Kreativsein zuzuschauen? Als Hauke Hückstädt, Leiter des Frankfurter Literaturhauses, vor kurzem durch die Ausstellung „Das imaginäre Museum“ führte, waren die Besucher so begeistert, dass sie selbst vielstrophige Gedichte schmetternd und im Kanon zum Besten gaben. Und das nicht mal schlecht, wie man finden konnte. Hier beschreibt Hückstädt wie er sich als „Literaturperson“ an seine allererste Museumsführung annäherte.

Gastbeitrag von Hauke Hückstädt

Hauke Hückstädt | Bookster

Hauke Hückstädt, (c) Bookster Frankfurt Stephan Jockel

Peter Gorschlüter, der stellvertretende Leiter des MMK, lud mich ein: Ob ich als Literaturperson nicht eine Führung durch „Das imaginäre Museum“ abhalten könnte. Die Ausstellung basiert auf dem Autor Ray Bradbury, vielmehr auf seinem Roman „Fahrenheit 451“ und der gleichnamigen Verfilmung von Truffaut. Ich habe zugesagt, bar jeder Lizenz zum Ausstellungsführen. An einem Freitagvormittag ging ich dann alleine in die Ausstellung. Um mich vorzubereiten. Schön, das mal wieder zu machen. Sich Zeit nehmen, es Arbeit nennen dürfen, auch wenn es nicht danach aussieht. Ich gehe wie ein Wünschelrutengänger durch die Ausstellung, denn ich schaue mir jetzt die Ausstellung nicht nur an, ich suche nach einem Weg da hindurch, den ich „beschreiben“ könnte. Ich mache Schnappfotos mit dem Mobiltelefon und nutze die wunderbaren Abrisszettel zu den Werken, die Legenden. Ich suche die Objekte und Bilder ab. Ich hatte mehrere Ideen, wie ich es angehen könnte. Aber bevor ich diese zaghaften Ideen in der Ausstellung selbst belasten und testen konnte, treffe ich vor dem Eingang zum Museum zufällig noch den Autor Ulrich Peltzer. Er kommt aus dem MMK 2, ich will hinein. Wir tauschen uns aus. Ein gutes Windchen weht durch den Park vor dem Gebäude, Sonne, fliegende Wolkenschatten auf dem satten Grün. Gegenüber, während wir sprechen, in Peltzers Rücken das Hochhaus, in dem viele der Szenen von „Unter dir die Stadt“ gedreht wurden, einem Film von Christoph Hochhäusler, für den Peltzer das Drehbuch schrieb. Ich erzähle ihm die Aufgabe, vor der ich unschlüssig stehe. Und auch meine Ideen und passenden Zweifel dazu. Er bestärkt mich zu einer davon. Es müsste doch möglich sein, sich die Ausstellung in einer Weise der Übergriffigkeit zu eigen zu machen und durch sie zu führen als seien …

Jedenfalls gewann das Ganze beim Schreiten durch die Ausstellung Kontur. Aber ob das, was mir damals vorschwebte, gelungen ist, müssen diejenigen entscheiden, die bei der Führung dabei waren und mit mir durch die Ausstellung gegangen sind.

Immerhin etwas schien mir „den Weg zu leuchten“: Auch die Installation von Félix González-Torres „Untitled (March 5th) #2″ knipste ich mit dem iPhone. Die Kamera reagierte auf das strömende Licht allerdings mit Abdunkelung der Umgebung. Auf meinem Bild erschienen die zwei Leuchtmittel verflossen zu einem Herz. Das war es doch, „was uns der Künstler damit sagen wollte“. Auch wenn wir wussten, eine der beiden wird vor der anderen erlöschen.

gluehbirnen

Félix González-Torres, „Untitled (March 5th) #2“ (1991): Die zwei Glühbirnen sind eine Metapher für Liebesglück und Verlustangst. Mit nur einer begrenzten Lebensdauer können die Glühbirnen jederzeit erlöschen. Das Datum im Titel markiert das Todesdatum des an AIDS erkrankten Partners des Künstlers. Foto: Hauke Hückstädt

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