feeling

… mit Carlos Cruz-Diez

In dieser Serie teilen Künstler der Ausstellung „Das imaginäre Museum“ ihre Erinnerungen an ihre eigenen sowie die Kunstwerke anderer Künstler. Carlos Cruz-Diez erklärt hier seine Faszination für Farben und erinnert sich an sein Werk “Physichromie 506”, das zum ersten Mal auf der Venedig Biennale 1970 ausgestellt wurde, als Carlos Cruz-Diez Venezuela repräsentierte.

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Ausstellungsansicht im MMK 3 in der Ausstellung „Das imaginäre Museum“, Carlos Cruz-Diez, Physichromie 506, 1970, Centre Pompidou, ADAGP, Paris 2016, Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand Palais, Foto: Thomas Schröder

Die Physichromien sind Ausdruck meiner Freude beim Erschaffen von Kunst und zeigen ein Gemälde im Entstehungsprozess, das von den konventionellen Konzepten und Techniken befreit ist. In der traditionellen Malerei wird ein Werk augenblicklich Teil der Vergangenheit. Was der Betrachter sieht und dechiffriert, ist ein Vorgang, der bereits abgeschlossen ist. Die vermalte Farbe ist in der Zeit erstarrt.

Die Physichromien hingegen zwingen uns, uns mit der Farbe im Augenblick ihrer Entstehung bzw. ihrer Sichtbarwerdung, ohne Vergangenheit oder Zukunft, zu beschäftigen. Jedoch sehe ich mich eindeutig als Maler. Man könnte sagen, dass die Physichromie Malerei in ihrer reinsten Form darstellt. All die Effekte der Malerei sind vorhanden: die Farbharmonien, die Glanzlichter und Transparenzen, obwohl die Physichromie nichts mit der traditionellen Malerei zu tun hat.

Carlos Cruz-Diez im Gespräch mit Ariel Jimenez, Fundación Cisneros/Colección Patricia Phelps de Cisneros (September 30, 2010)

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Der Künstler und sein Werk auf der Venedig Biennale, 1970

Aufgabe der Physichromien ist es, die unendliche plastische Fülle hervorzuheben, die entsteht, wenn das Sonnenlicht im Tagesverlauf auf Farben in der Natur trifft.
Sie zeigen ebenfalls die Möglichkeiten, welche die Dehnbarkeit des künstlichen Lichtes bietet. Es geht darum, eine andere „Stofflichkeit von Farbe“ eine andere „Beschaffenheit von Farbe“ zu finden, die weder die ewig gleiche mit Pigmenten bemalte Oberfläche, noch die Farbigkeit von Kirchenfenstern ist. Bei den Physichromien handelt es sich um wandelbare Strukturen, die die Farbe in den Raum streuen.
Sie schaffen eine Farblicht-Atmosphäre, die je nach Intensität und Position der Lichtquelle und mit der Position und dem Abstand des Betrachters wechselt.

Aus dem Ausstellungskatalog Cruz-Diez, Galerie Denise René – Rive gauche, Paris (23/05/1973 – 11/06/1973)

Meine Physichromien möchten nichts anderes, als einige Eigenschaften von Farbe herauszustellen. Sie schaffen eine Stimmung, die der wechselhaften Beschaffenheit von Farbe zu verdanken haben. Eine eher physiologische, gelegentlich sinnliche, sogar erotische Eigenheit, die unsere primären Sinne berührt. Die Physichromien versuchen die reine Farbe zu zeigen.

Aus dem Ausstellungskatalog Lumière et mouvement, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (05/1967 – 08/1967)

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Die Werke von Carlos Cruz-Diez im Pavillon von Venezuela auf der Venedig Biennale, 1970

 

Originaltext:

They are photographs of the first time that his Physichromie 506 was shown : during the Venice Biennal in 1970 when the artist was representing Venezuela.

The Physichromies are something I invented so that I might express myself with the joy of a painter in action, of painting in the process of being created, stripped of traditional concepts and techniques. In traditional painting, the artist’s work instantly becomes part of the past, and what the viewer contemplates and deciphers is an action that exists in the past. The color that reaches the viewer’s gaze “was painted,” is frozen in time. The Physichromies, on the other hand, force us to deal with an event of color in the process of occurring in the moment, without past or future. But I am definitely a painter. You could say that a Physichromie contains painting in its purest form. All the effects and pleasures of painting are there: the harmonies, the glazing, the transparencies, even though it has nothing to do with the painting of the past.

“Carlos Cruz-Diez in conversation with Ariel Jimenez / Carlos Cruz-Diez en conversación con Ariel Jimenez”, (English and Spanish Edition), Fundación Cisneros/Colección Patricia Phelps de Cisneros; Bilingual edition (September 30, 2010)

Les Phvsichromies ont pour fonction de mettre en évidence l’infinie richesse plastique produite par le passage évolutif de la lumière solaire sur une couleur dans la nature. Elles montrent également les possibilités qu’offre la ductilité de la lumière artificielle. Trouver une autre « matière couleur », une autre « condition de la couleur» qui ne soit ni l’éternelle superficie peinte avec des pigments en émulsion, ni la couleur du vitrail.

Les Physichromies sont des structures changeantes qui projettent la couleur dans l’espace.

Elles créent une atmosphère de lumière colorée qui change avec l’intensité et la position de la source lumineuse, la position et la distance 
du spectateur

(in the exhibition catalog Cruz-Diez, Galerie Denise René – Rive gauche, Paris, France. (23/05/1973 – 11/06/1973)

Mes Physichromies ne prétendent „exprimer“ que la mise en évidence de quelques conditions de la couleur. Elles proposent un „climat“ dû à la condition changeante de la couleur, laquelle est plutôt physiologique, parfois voluptueuse, même érotique et touche les sens primaires. Les Physichromies cherchent à faire directement le fait brut de la couleur.

(in the exhibition catalog Lumière et mouvement, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, France. (05/1967 – 08/1967)

 

 

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