feeling

… mit Dora García

In dieser Serie teilen Künstler der Ausstellung „Das imaginäre Museum“ ihre Erinnerungen an jene Kunstwerke, die sie am meisten beeindruckt haben. Den Anfang macht Dora García mit Dan Grahams „Present Continuous Past(s)“.

Dan Graham PCPquer

Dan Graham, Present Continuous Past(s), 1974, Closed Circuit Videoinstallation, s/w-Kamera, s/w-Monitor, 2 Spiegel, Mikroprozessor, Foto: Thomas Schröder

Ein weißer Korridor führt zu einem mittelgroßen Raum, der an zwei Wänden mit Spiegeln verkleidet ist. Die beiden anderen Wände sind Weiß, an einer davon ist ein Bildschirm mit Kamera installiert. Ich sehe mich selbst im Spiegel, wenn ich den Raum betrete, dann entdecke ich den schwarz-weißen Bildschirm an der gegenüberliebenden Wand. Obwohl ich vor dem Monitor stehe, sieht man darauf nur den leeren Raum. Mit ein paar Sekunden Verzögerung erscheint plötzlich mein Abbild auf dem Bildschirm: Ich sehe was vor ein paar Augenblicken passiert ist, ich sehe mich selbst in einem vergangenen Moment. Die Spiegelung produziert eine endlose Abfolge von „ichs“, die den Raum betreten, alle ein wenig zeitverzögert. Durch die Bildschirmauflösung kann ich nur die ersten vier Spiegelungen erkennen, aber ich stelle mir vor, dass mathematisch gesehen die Spiegelungen unendlich weitergehen und ich diesen Raum immer noch betrete und für immer weiterbetreten werde. Für mich persönlich ist diese Arbeit eng verknüpft mit den Worten von Gino de Dominicis: „es sind vielmehr die Betrachter, die sich der Kunst aussetzen, nicht die Kunst den Betrachtern“, davon ist hier etwas zu spüren… ebenso wie bei der anderen Kunst-Erfahrung, die mein Leben veränderte: „Performer/Audience/Mirror“, von Dan Graham (1977), eine Arbeit über die ich als Künstlerin sehr viel nachgedacht habe. Die schwindelerregende Idee des exponierten Betrachters, die wie aus einem Science-Fiction-Roman von Philip K. Dick entsprungen zu sein scheint, steht bei „Present Continuous Past(s)“ im Zentrum: Ich, die Betrachterin, werde in einem anderen, aber realen Universum, noch immer von Dan Grahams Kunstwerk gefangen gehalten.

Die spanische Künstlerin Dora García hat für die Schau im MMK 2 eine Zeitung aus dem Jahr 2052 gestaltet.

 

Original:

Here you find a note on Dan Graham’s work „Present continuous past(s)“, indeed my favourite work in the exhibition and probably in life.

Dan Graham: Present Continuous Past(s), 1974, Closed circuit video camera, black and white monitor, two mirrors, one microprocessor.

A white corridor leading to a medium-sized room, two walls of that room have mirrors, covering the hole wall, the other two walls are white, one of them has a monitor and a camera installed. I see myself on the mirror when I enter the room, then I see the opposite wall with the black and white tv monitor. The room as it appears on the monitor is empty, yet I am standing in front of that monitor. Rapidly, my image appears on the monitor, with a little delay: I see what has happened just a moment ago, I see myself just a moment ago. But the feedback between mirror and monitor produces an endless succession of “me” entering the room, each slightly delayed. The resolution of the monitor only allows me to appreciate the first four “me” entering the room, but I can imagine that mathematically, in a world of infinite definition monitors, I am still entering that room, and I will always be. This work in intimately linked in my head to the words of Gino de Dominicis: „it is actually the public who expose themselves to the work, not the work to the public“, and there is something of that… like in that other life-changing experience which is „Performer/audience/mirror“, Dan Graham 1977, maybe one of the works I have thought more about in my life as an artist. In „Present Continuous Past“ you have indeed this vertiginous idea of the audience being exposed, but you have as well a science-fiction twist, a Philip K Dick turn- I, the audience, I am still, in a different but real universe, still prisoner of a work by Dan Graham.

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