Tuchfühlung

Mode. Material. Kunst. Peter Gorschlüter im Gespräch mit Kostas Murkudis

Peter Gorschlüter, stellvertretender Direktor des MMK und Kurator der Ausstellung „Tuchfühlung. Kostas Murkudis und die Sammlung des MMK“, erfährt in seinem Gespräch mit dem Designer Kostas Murkudis Spannendes über seine Entdeckung der Mode als Jugendlicher und seine Inspirationsquellen unter anderem aus den Bereichen Film und bildende Kunst.

Peter Gorschlüter und Kostas Murkudis im MMK 2, Foto: Axel Schneider

Peter Gorschlüter und Kostas Murkudis im MMK 2, Foto: Axel Schneider

Peter Gorschlüter: 
Du bist als Sohn griechischer Migranten in Dresden aufgewachsen, in der DDR der 1960er-Jahre. Inwieweit war Mode für dich überhaupt ein Thema in der Jugend?

Kostas Murkudis:
 Bis zu meinem 13. Lebensjahr eher weniger. Ich kam das erste Mal in Westberlin mit Mode in Berührung. Meine Eltern hatten sich entschlossen, die DDR zu verlassen. Ich war 13, also voll pubertierend, und musste mich vor die Schulklasse hinstellen und mich selbst vorstellen. Ich registrierte zu dem Zeitpunkt, dass das „Tal der Ahnungslosen“ tatsächlich seine Spuren hinterlassen hatte, auch im Bereich Mode. Ich war so was von deplatziert gekleidet, dass es mir die Schamesröte ins Gesicht trieb. Alle waren eher so in dem westlichen Look der 1970er-Jahre, so Vor-Punk, das war eine linksintellektuelle Schule, gehobener Mittelstand, Bildungsbürgertum. Die Kids waren entsprechend mit Jeans und Chucks und T-Shirts oder karierten Hemden unterwegs. Ich war der Einzige, der kurze Haare hatte, eine scheußliche Frisur, und Polyesterhose, Polyesterhemd und Polyesterstrickjacke trug. Da wurde mir bewusst, dass ich von Mode bis dahin nicht wirklich etwas mitbekommen hatte. Ich begann mich dann sehr für Jugendkultur und internationale Mode zu interessieren. Gemeinsam mit meinem Bruder Andreas wälzte ich Magazine, wir besorgten uns die italienische L’Uomo Vogue, die für uns fast unbezahlbar war. Sie kostete damals 35 Mark und war damit teurer als ein Buch. Wir haben das Heft studiert, verinnerlicht und versucht, uns entsprechend zu kleiden, also obsessiv modebewusst.

Peter Gorschlüter:
 Als ihr in den Westen kamt, stand euch die Welt zunächst nicht so offen, wie man vermuten würde. Westberlin sollte für euch eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Griechenland sein. Aber ihr durftet dorthin nicht ausreisen: Die griechische Regierung, die damals eine rechte Militärdiktatur war, hat euch als Staatsfeinde betrachtet, weil ihr aus der DDR kamt.

Kostas Murkudis:
 Ja, wir waren in Westberlin gestrandet, und unsere finanziellen Möglichkeiten zu reisen waren zunächst sehr begrenzt. Kurz vor
 dem Abitur unternahm ich meine erste Auslandsreise nach Florenz. Das war für mich ein Ort, wo ich unbedingt hin wollte. Ich wollte die Museen sehen, ich wollte die italienische Kultur ein Stück weit aufsaugen. Exotischere Reiseziele interessierten mich natürlich auch. Die versuchte ich, in meinem Kopf zu besuchen. Manchmal halfen Filme, die in ein fernes Land führten. Den Rest besorgte die eigene Fantasie, auf Grundlage dessen, was ich aus Büchern wusste oder was mir Freunde erzählten, zum Beispiel über Argentinien oder Peru.
 Schon als Kind in der DDR hatte ich eine starke Sehnsucht nach Südamerika. Ich wollte Teil der Indianerkultur sein. Karl May wurde ja im Osten gepflegt. Ich war häufig im Karl-May-Museum bei Dresden, und das vermittelte mir diese erste Zeitreise, die dann ständig in meinem Kopfkino lief. Das gleiche Erlebnis hatte ich mit dem sächsischen König August dem Starken, der es in jeder Hinsicht richtig krachen ließ. Ich war fasziniert von den Schlössern und von dem, was er da so angesammelt hatte.

Peter Gorschlüter:
 Der Kunstsinn von August dem Starken und seinem Sohn August III. bildete die Grundlage für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Sie erweiterten ab dem frühen 18. Jahrhundert die Bestände und Sammlungen, zu denen unter anderem das Grüne Gewölbe, die Skulpturensammlung und das Kupferstich-Kabinett gehören. Beide sammelten mit einem sehr universellen Verständnis, das angewandte und bildende Kunst gleichwertig betrachtete.
 Hat dich das beeinflusst?

Kostas Murkudis:
 Ich war oft im Zwinger, in der Gemäldegalerie und der Rüstkammer gleich gegenüber. Und natürlich im Grünen Gewölbe, das unter anderem auch eine der aufregendsten Juwelensammlungen der Welt bewahrt. Da stand ich als Kind immer ganz fasziniert davor. Und dann gab es noch diese Barockschlösser mit ihren Gärten und den exotischen Pflanzen und die fantastische Sammlung mit chinesischem und japanischem Porzellan. Mit dem Porzellan hat es in Dresden eine ganz besondere Bewandtnis, mit den Geschichten um Alchemie und Johann Friedrich Böttger, der eingesperrt wurde, um Gold zu schaffen, und dabei auf das Geheimnis der Porzellanherstellung stieß. Ich habe all diese Dinge damals nicht wirklich verstanden, aber sie inspirierten mich, auf Zeitreisen zu gehen.

Kostas Murkudis, Summer/Spring Kollektion 2009–2013; Ausstellungsansicht MMK 2, Foto: Axel Schneider

Kostas Murkudis, Summer/Spring Kollektion 2009–2013;
Ausstellungsansicht MMK 2, Foto: Axel Schneider

Peter Gorschlüter:
 Wie hast du nach der Schulzeit den Weg zur Mode gefunden?

Kostas Murkudis:
 Ich fing zunächst an, Chemie zu studieren. Ich traute mich damals noch nicht, meine eigenen Ziele zu verfolgen. Ich hätte lieber Architektur studiert oder wäre gerne Restaurator geworden, aber am Ende wählte ich dann meinen Eltern zuliebe einen Beruf, den sie gutheißen konnten. Das erwies sich als unsinnig. Nach zwei Jahren Grundstudium verlor ich die Lust. Dann wollte ich eine Ausbildung zum Grafiker machen, ging auf eine Schule hier in Berlin, die auch Mode- und Fotografie-Ausbildungen anbot. Um mich auf die Grafik-Prüfung vorzubereiten, machte ich die Mode-Prüfung mit, ich bestand beide und die in Mode sogar als Bester. Das war für mich überraschend, weil ich niemals darüber nachgedacht hatte, Mode zu studieren. Und so wurde ich von allen Seiten gedrängt, die Mode-Ausbildung zu machen, die ich dann auch abschloss.

Peter Gorschlüter:
 Nach dem Studium hast du ein halbes Jahr für Wolfgang Joop gearbeitet. Danach warst du von 1986 bis 1993 sieben Jahre bei Helmut Lang, der damals mit seinen reduzierten minimalistischen Entwürfen
in Kombination mit High-Tech-Stoffen international Furore machte.
 Was hast du aus der Zeit bei ihm mitgenommen?

Kostas Murkudis:
 Helmut habe ich 1986 in München kennengelernt, als er seine erste Präsentation außerhalb Österreichs vorbereitete. Er fragte mich,
was ich beruflich mache. Ich sagte, ich mache das Gleiche wie du, Mode. Ich hatte gerade bei Joop aufgehört und er fragte mich,
ob ich mit ihm arbeiten wollte, und ich sagte ja. Bei Helmut fand ich das vor, was mich wirklich interessierte und inspirierte. Da wurde hart und seriös gearbeitet, es gab eine Vision, es gab einen Plan, es gab auch vieles, was ich wirklich lernen konnte. Das begann bei der Art und Weise, wie man eine Recherche macht. Der Austausch war außergewöhnlich und sehr fruchtbar.

Peter Gorschlüter:
 1994 hast du dein eigenes Label gegründet, KOSTAS MURKUDIS. War das ein Entschluss, der über viele Jahre gereift war?

Kostas Murkudis: 
Nein, gar nicht, ich war sogar sehr, sehr glücklich, bei Helmut Lang zu sein, in der Position als zweiter Mann. So genoss ich alle Freiheiten eines Kreativen, musste nicht vor die Presse treten und mich auch nicht um die finanziellen Belange kümmern. Das sah ich als Privileg. Ich hatte aber das Bedürfnis, meinen Sohn heranwachsen zu sehen, und entschloss mich daher, bei Helmut aufzuhören und ein Jahr lang als Stylist in einem Fotostudio in München zu arbeiten, bis mich dann Helmut und viele andere dazu überredeten, mit dem Modedesign weiterzumachen. Ich nahm zu dieser Zeit an einem Wettbewerb teil und war einer der Preisträger, die für zwei Jahre gesponsert wurden und denen es ermöglicht wurde, die eigene Arbeit zu zeigen und in Paris zu verkaufen. So hatte ich auf einmal das Gefühl, dass ich mich darum kümmern musste, eine Firma aufzubauen und Leute zu finden, die mit mir arbeiten und meine Vorstellungen umsetzen konnten. So kam eines zum anderen, bis ich an den Punkt kam, an dem ich mich fragte: Wie geht es jetzt weiter? Jetzt haben wir ein funktionierendes Business, mit Beziehungen bis nach Japan, wir haben Produktionsstätten, ich habe die Leute, die ich brauche. Wie geht es weiter? Soll ich das so weiterführen, auf eine Messe gehen, verkaufen? Und dann bekam ich von vielen, auch einflussreichen Menschen aus diesem Metier, Mut zugesprochen, den ersten Schritt zu gehen und die Produktion auch mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen. Meine damalige Partnerin meinte: Wir machen es jetzt richtig oder lassen es. Und dann nahmen wir Geld in die Hand, mieteten ein Atelier und gingen volles Risiko ein.

Peter Gorschlüter:
 Wenn man nicht Teil der Modewelt ist, dann stellt man es sich so vor: Da ist ein Modeschöpfer und der hat ein großes Studio mit vielen Mitarbeitern. Da gibt es zum Beispiel Näherinnen und Designer, die am Computer entwerfen. Ich empfinde dein Studio hier aber als einen sehr intimen Ort. Wie wichtig ist dir dieses persönliche Umfeld und wie unterscheidet sich deine Arbeit als Creative Director für ein großes Unternehmen von der für dein eigenes Label?

Kostas Murkudis:
 Wenn ich an die erste Zeit zurückdenke, war es tatsächlich so, wie du es beschreibst. Ich hatte ein großes Studio im klassischen Sinne, mit Näherinnen und Schnittmachern. Das veränderte sich dann, als ich 2004 nach Berlin zurückkam. Mir ist das Umfeld natürlich wichtig, ganz klar, und die Nähe zu meinem Bruder Andreas. Für mich reflektiert das Studio, das ich jetzt habe, eher den Spirit, den ich in Berlin spüre. Ich bin gerne in Berlin und schätze diese Stadt, weil sie so etwas anderes als Wien, München oder Paris vermittelt und auch ermöglicht. Das ist für mich keine Modestadt. Berlin ist für mich eher eine Stadt, die sich in der
Kunst ihren Platz erobert hat und bereit ist, den Blick zu öffnen. Hier gibt es viele Möglichkeiten, um mit anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten, die Menschen sind viel offener. Ich stellte dann fest, dass ich lieber meine Ideen verkaufe statt ganzer Kollektionen. So brauchte ich kein Studio im klassischen Sinn mehr, sondern nur noch ein kleines Labor, eine alchemistische Küche zum Vorfertigen. Ich hielt mir gleichzeitig die Möglichkeit offen, als Creative Director oder Consultant für andere Unternehmen wie New York Industrie, Closed und zuletzt für Ter et Bantine zu arbeiten, die alle Werkstätten etc. sowieso von Hause aus stellen. Dieses klassische Bild vom Modeunternehmen – in der ersten Etage der Designer, in der zweiten Etage die Näher, im Erdgeschoss die Auslieferung – passte für mich nicht zu Berlin. Ich sehe mich seitdem mehr als ein Ideengeber. Und meine eigene Kollektion, die ich hier noch immer fertige, entwickelte sich dann zu einer Laborkollektion, die es auch nicht rechtfertigt, ein riesiges Studio zu betreiben. Laborkollektion heißt: Sachen ausprobieren, die im weitesten Sinne nicht darauf abzielen, verkauft zu werden, reproduziert zu werden oder in Serie zu gehen, sondern einen Unikatcharakter haben. 2010, nachdem ich die Show mit Carsten Nicolai im MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main präsentiert und die Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer getroffen hatte, hatte ich das Gefühl, dass sich mein berufliches Leben aufteilt: in das künstlerisch-freie Arbeiten, das kommerzielle Arbeiten für die Industrie und diese Zwischenzone der Kooperationen, die ich als Lernzone verstehe.

Kostas Murkudis, Autumn/Winter Kollektionen 2012–2014; Ausstellungsansicht MMK 2, Foto: Axel Schneider

Kostas Murkudis, Autumn/Winter Kollektionen 2012–2014;
Ausstellungsansicht MMK 2, Foto: Axel Schneider

Peter Gorschlüter:
 Du suchst auch immer wieder die Nähe zu Künstlern und kooperierst mit ihnen. Mit Carsten Nicolai hast du bisher am häufigsten zusammengearbeitet. Aber es gibt auch andere, die Geruchskünstlerin Sissel Tolaas zum Beispiel. Wie unterscheidet sich diese Form der Zusammenarbeit von der Arbeit in deinem eigenen Team?

Kostas Murkudis:
 Sie unterscheidet sich insofern, als dass ich einen unfassbaren,
fast einschüchternden Respekt vor diesen Kunstschaffenden habe. Ich tue mich leichter, wenn es um eine Produktentwicklung geht,
ob es jetzt ein Glas oder ein Möbel oder sonst irgendetwas ist.
Da sehe ich gleich eine konkrete Anwendung. Bei der Kunst ist es für mich schwerer zu greifen, aber ich schätze die Komplexität dieser Arbeiten. Sissel Tolaas hat spannende Ideen, sie ist ein wacher Geist, was zu interessanten visionären Blüten führt. So ähnlich ist es bei Carsten Nicolai. Mich fasziniert bei beiden, dass sie ihren Blick in die Zukunft richten und nicht rückwärtsgewandt denken oder an einer Technik hängen oder etwas, was sich gut verkauft. Das schätze ich an ihnen sehr. William Forsythe ist ein weiteres gutes Beispiel: William entdeckte ich für mich das erste Mal in den 1990er-Jahren.
 Im Nachhinein weiß ich, dass er damals schon so viel geleistet hatte, auch im Bereich der Mode, zum Beispiel mit seinem Projekt mit Irving Penn für Issey Miyake. Er war damals der Choreograf, er inszenierte
die Bilder. Ich sah Williams Tanzaufführungen in der Oper in München und war beeindruckt und inspiriert zugleich. Ich hatte noch nie zuvor etwas Ähnliches gesehen. Wie er Licht, Sound, Bühne, die Architektur, die Tänzer, selbst ihre Gewänder, alle Facetten einer Inszenierung
so bravourös ineinander verschmelzen ließ, war einzigartig. Es war unfassbar, betörend schön, sinnlich und perfekt im Sinne von:
Alles ging so schlüssig ineinander über. Es waren Kunstwerke auf
einer ganz anderen Ebene.

Peter Gorschlüter:
 Mit Carsten Nicolai hast du unter anderem die eben bereits erwähnte Modenschau im MMK 2010 realisiert. Da konnte man unheimlich viele Parallelen zwischen deiner und Carstens Arbeit entdecken, zwischen seiner Art und Weise, mit audiovisuellen Strukturen umzugehen, und deinem Umgang mit Struktur, Textur und Textilien. Das war eine synästhetische Erfahrung. Bei der Modenschau wurden dann auf die Models, die deine Entwürfe trugen, Lichtpatterns von Carsten projiziert, begleitet von einer Sound-Collage – es überlagerten sich die unterschiedlichsten Sinneseindrücke.

Kostas Murkudis: 
Ich wusste natürlich, dass ich bei einer Zusammenarbeit mit Carsten unter Umständen an einen Punkt komme, wo die klassische Modebranche sagen würde: Um Gottes willen, man sieht ja die Kleider gar nicht. Das war mir aber völlig egal. Ich denke meistens nicht in solchen Kategorien. Die zwei Welten der Kunst und der Mode miteinander zu verknüpfen, sehe ich als Herausforderung, als spannende Idee. Denn natürlich spielen Sound und Inszenierung auch bei uns eine Rolle. Ich wollte weg von diesem klassischen Modell, bei dem die Models ins Licht getaucht werden und das Publikum im Dunkeln sitzt – Catwalk. Es war ein erster Versuch dieser Art. Ich fand es absolut notwendig, Carsten den Freiraum zu geben, den er brauchte – ich würde diesen auch jedem anderen Künstler mit seiner Arbeit geben. So wie er auch mir den Rahmen gibt, das zu zeigen, was ich zeigen möchte und wie ich es zeigen möchte. Die Choreografie und all diese Dinge erarbeiteten wir zusammen, auch die Auswahl der Farben. Und wir sprachen auch über den Sound. Es gibt da Sound-Sequenzen, die aus dem Film „Le Mépris“ von Jean-Luc Godard stammen. Ich wollte verschiedene Elemente miteinander verbinden, und Carsten setzte das auf eine ganz brillante Art und Weise um. Er nahm Dinge auf, die in der Produktion stattfanden, sowohl Farben als auch Elemente, also die Verteilung und Inszenierung von Farbe, verstärkte diese Elemente nochmals und überlagerte sie zum Teil so, dass der Ursprung gar nicht mehr sichtbar war. Das war ein Experiment. Carsten und ich sagten uns: Lass uns das machen, wir bereiten das hier in Berlin vor und gehen dann nach Frankfurt und gucken und justieren das dort vor Ort – volles Risiko.

Peter Gorschlüter:
 Du hast gerade Godards „Le Mépris“ angesprochen. Film spielt für dich generell eine wichtige Rolle und ist eine große Inspirationsquelle für zahlreiche Kollektionen. Was sind das für Filme?

Kostas Murkudis:
 Viele sind aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Alain Resnais, Jean-Luc Godard und Michelangelo Antonioni waren meine Einstiegsdrogen, also die Nouvelle Vague und das italienische Kino. Ich schaue zudem gerne japanische Filme, von bekannten Regisseuren wie Akira Kurosawa, aber auch alles Mögliche aus dem asiatischen Independent-Kino. Und ich liebe Kostüm- sowie Mantel-und-Degen- Filme. Das klingt total kitschig, aber mich fasziniert nicht so sehr die Handlung, sondern diese Arrangements aus einer fernen Zeit – Kostüme, Räume, Tempo, Licht, Farben –, dieses Eintauchen in eine andere Welt, in eine andere Zeit, historische Architektur und Interieurs. Mich interessieren folgende Fragen: Was für Tische stehen da rum, welche Kacheln, welche Öfen? Wie haben die Menschen damals wirklich gelebt, wie haben sie sich gekleidet, wie haben sie sich im Alltag verhalten, wie haben sie miteinander gesprochen?

Peter Gorschlüter:
 Wie würdest du deine Nähe zur Kunst beschreiben?

Kostas Murkudis: 
Kunst interessiert mich seit meiner frühen Jugend. Es begann tatsächlich als Kind mit dem ersten Besuch im Dresdner Zwinger und ging dann ganz klassisch weiter über das Anhäufen von kunsthistorischem Wissen, was in welche Zeit fällt und welche die wichtigen Repräsentanten einer Zeit waren. Ich habe mich relativ früh auch für das Bauhaus interessiert und mich mit der Moderne auseinandergesetzt. Die Kunst hat mich mein Leben lang begleitet, sie ist Teil meines Lebens, Teil meiner Neugier. Hier in Berlin habe ich das Glück, von Galerien und Künstlern umgeben zu sein und mich austauschen zu können. Und ich bekomme natürlich auch wie fast alle Kreativen Anregungen von der Kunst.

Peter Gorschlüter:
 In der Ausstellung im MMK werden auch einige Werke von anderen Künstlern aus der Sammlung des Museums in Beziehung zu deiner Arbeit gebracht. Welcher Aspekt interessiert dich da besonders? Was ist dir bei der Auswahl wichtig?

Kostas Murkudis:
 Ich finde es spannend, mit dieser fantastischen Sammlung arbeiten und sie mit meiner Arbeit in einen Dialog setzen zu können. Dieser Dialog mit der Kunst findet eigentlich immer statt, auch wenn er für die Außenwelt nicht immer sichtbar ist. In der Ausstellung kann ich ihn jetzt zum ersten Mal so zeigen, ohne dass ich unbedingt die Künstler auswähle, bei denen es ganz konkrete Verweise zu meiner Arbeit gibt. Das finde ich gar nicht so wichtig. Es ist ja nicht so, dass ich mich bei jeder Kollektion mit einem Künstler im Speziellen auseinandersetze, auch wenn ich das kürzlich mit der 4D-Kollektion Spring/Summer 2014 als „Tribute to Franz Erhard Walther“ getan habe.

Peter Gorschlüter:
 Was verstehst du unter dem Begriff Autorendesigner?

Kostas Murkudis: 
Ich versuche, Dinge auszuprobieren. Ich könnte einen ganz einfachen Weg gehen und mich an dem orientieren, was ich zuletzt gemacht habe, oder an jemandem, dessen Sprache ich weiterentwickeln kann. Damit würde ich mich auf sicherem Terrain bewegen. Ich gehe aber gerne den schwierigeren Weg, fange bei null an. Manchmal beginne ich mit dem Material, manchmal beginne ich mit einer Idee, die ich erst mal mit einem Satz verbalisiere, manchmal ist es auch eine Reaktion auf etwas. Die Sehnsucht nach dem Neuen ist am Anfang jeder Kollektion ganz stark ausgeprägt. Wenn der Werkzyklus fertig ist, dann ist die Idee meistens auch abgeschlossen, und ich beginne mit der nächsten Kollektion von Neuem.

Peter Gorschlüter:
 Wie ist das bei dem Material, den Textilien? Da ist es doch nochmals spezieller.

Kostas Murkudis:
 Beim Material spielt tatsächlich die Recherche eine große Rolle. Es gibt diverse Firmen, mit denen ich über die Jahre eine Beziehung aufgebaut habe und deren Produkte ich mir immer wieder ansehe. Da gibt es sowohl innovative Unternehmen als auch traditionelle, die sehr interessant sind. Das ist genau das Gleiche wie bei vielen anderen Dingen in meinem Leben, es gibt immer zwei Pole: Es gibt diese Sehnsucht nach dem Traditionellen, den klassischen Grundwerten, die sich immer wieder finden und noch immer Gültigkeit haben, und anderseits das Interesse an Innovation. Es gibt zum Beispiel eine Firma in Italien, mit der ich kooperiere, die auf allerhöchstem Niveau arbeitet und die reinsten Naturprodukte nutzt, das Edelste und Beste. Innovativ ist diese Firma aber auch, wenn diese klassischen Materialien dann seltsam bedruckt und mit ungewöhnlichen Oberflächen versehen werden. Diesen traditionellen Innovationsgeist mag ich sehr gerne. Und dann gibt es ganz absurde Sachen, die man vorher noch nicht gesehen hat, technologische Materialien. Ob das jetzt die neuen Seiden sind wie Nylon, Polyester, Polyamid, Polypropylen oder pures Plastik, also Weichplastik, das man vielleicht nur aus dem Haushalt kennt, das sich aber zum Experimentieren eignet. Und dann gibt es so seltsame Hightech-Materialien, die ursprünglich nicht für Kleidung hergestellt wurden, sondern anderen Funktionalitäten folgen müssen, wie technische Netze. Carsten hat mir zum Beispiel gerade einen wahnsinnig schönen Kunststoff aus dem Segelbereich zukommen lassen. Er wird von einer Firma aus Holland produziert. Hier erkennt man noch fast gewebte Strukturen. Das fasziniert mich: Materialien, bei denen man nicht mehr weiß, ob es sich um Plastik, Stoff oder Papier handelt.

Peter Gorschlüter:
 Inwieweit bestimmt die Beschaffenheit des Materials deine Entwürfe? Oder anders gefragt: Willst du die Materialgrenzen eher überwinden oder generiert das Material die Form?

Kostas Murkudis:
 Beide Wege sind interessant. Manchmal ist es schlauer, nicht gegen das Material zu arbeiten, sondern bei dem zu bleiben, was das Material anbietet. Und manchmal ist es natürlich gerade spannend, diese Grenzen zu überwinden und damit auch etwas Neues zu schaffen. Ich kombiniere gerne Materialien aus unterschiedlichen Welten, Stoffe aus der klassischen, traditionellen Welt der Textilien und Materialien aus der technisierten Welt, die vor allem funktionalen Charakter haben. Manchmal verbinde ich sie, manchmal stelle ich sie einander gegenüber, manchmal versuche ich aber auch, diese
Stoffe irgendwie zu brechen. Ich werte zum Beispiel technische Stoffe durch traditionellere Techniken auf, verarbeite sie nicht so,
wie man sie in der Industrie verarbeiten würde, sondern veredle sie auf klassischere Weise mit meinem Wissen oder anderen Techniken.
Oder andersherum: Zum Beispiel diese Seiden aus der Spring/ Summer-2011-Kollektion, die sich jetzt in der Sammlung des MMK befindet: Ich habe die Seiden mit Latex beschichten lassen, um sie an den Kanten schneidefest zu machen, um so ein Stück weit diese schöne Oberfläche zu brechen, sie quasi zu versiegeln.
Bei allen Dingen, die ich mache, versuche ich, eine Balance zwischen Gegensätzen zu finden. Um noch ein Beispiel zu nennen: Ich habe
ein sehr hochwertiges Lammfell gekauft und versuche es, mit Nylon
in Verbindung zu bringen, also beide Materialien zu erhöhen und miteinander kommunizieren zu lassen. Mich interessiert, was zwischen diesen zwei Welten passiert, die gegenseitige Beeinflussung. Manchmal fusionieren sie, manchmal ist es ein Sich-aneinander- Reiben und Kämpfen. Beides mag ich gerne und es entspricht auch meinem Lebenslauf.

Peter Gorschlüter:
 Du hast drei internationalen Museen große Teile deines persönlichen Archivs vermacht: dem Palais Galliera, Musée de la mode de la Ville de Paris, dem Kyoto Costume Institute in Japan und dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main. Was hat dich dazu bewegt?

Kostas Murkudis:
 Das war zum einen dem Wunsch geschuldet, Interessierten meine Arbeit langfristig zugänglich zu machen. Zum anderen entspricht es auch meiner Tätigkeit der letzten Jahre. Ich stelle Unikate her, und die passen besser ins Museum als in einen Shop. Dafür musste ich zunächst mein eigenes Werk durchforsten und mein Archiv digital aufarbeiten, was ich seit ein paar Jahren mit meiner Assistentin
Valerie von Kittlitz mache. Es gibt von allen Kleidungsstücken eine Frontalabbildung auf einem Bügel, ganz bewusst auf einem von der Decke hängenden Bügel und nicht auf einer Puppe, sodass die
Stücke frei von einem Körper sind. Und zusätzlich produzieren wir Detail- und Nahaufnahmen. Dadurch lerne ich meine Arbeit nochmals anders kennen und kann sie auch anders wertschätzen. Denn in diesen Nahaufnahmen entsteht Schönheit durch den Anschnitt oder durch die Perspektive. Außerdem dokumentieren wir im Archiv Technologien, die wir für die jeweilige Werkreihe, für das jeweilige Material entwickelt haben. Denn jedes Material fordert seine eigene Behandlung und sein eigenes Finish. Also Steckbreiten, Abstände von Kanten, Nähte oder keine Nähte, Innenverarbeitung, all das wird mit fast mathematischer Präzision festgehalten. Die Arbeit am eigenen Archiv und jetzt auch an der Ausstellung empfinde ich als wahnsinnig bereichernd, weil sie mir einen anderen Blickwinkel auf die eigene Arbeit vermittelt. Dabei werden Momente generiert, mit denen ich vorher nicht gerechnet habe. Für mich ist das eine Entdeckungsreise durch die eigene Geschichte.

Das Gespräch ist ein Auszug aus dem Ausstellungskatalog. Die umfangreiche Monografie zu Kostas Murkudis erhalten Sie im Prestel Verlag zum Preis von 49,95 Euro. Im Museumsshop im MMK 2 ist der Katalog für 39,95 Euro erwerben.

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Peter Gorschlüter in Conversation with Kostas Murkudis

Peter Gorschlüter: You grew up in Dresden in the German Democratic Republic of the 1960s, the son of Greek immigrants. To what extent did fashion play a role for you in your youth?

Kostas Murkudis: Hardly at all before I was thirteen. I first came into contact with fashion in West Berlin. My parents had decided to leave the GDR. I was thirteen – in other words, at the height of puberty – and had to get up in front of a school class and introduce myself. At the time, it became clear to me that the “Tal der Ahnungslosen” (“Valley of the Clueless”) really had left a mark, also in terms of fashion. My clothing was so out of place that it made me blush with shame. Everyone else was in the Western seventies look, pre-punk. It was a school for left-wing intellectuals, the educated upper middle class. The kids were dressed accordingly, in jeans, Converse All Stars and T-shirts or chequered shirts.
I was the only one with short hair, an atrocious haircut, and the only one wearing polyester pants, a polyester shirt, and a polyester sweater. It became clear to me that I hadn’t really been exposed to fashion at all.
Then I started to get very interested in youth culture and international fashion. My brother Andreas and I pored over magazines, bought the Italian L’Uomo Vogue at great expense. It cost 35 deutschmarks at the time; it was more expensive than a book. We studied that magazine, internalised it, and tried to dress accordingly – we were excessively fashion-conscious.

Peter Gorschlüter: When your family came to the West, the world wasn’t
as open to you as might be presumed. West Berlin
was actually just supposed to be a stop on the way
to Greece. But you weren’t allowed to enter Greece. The Greek government, a rightist military dictatorship at the time, considered you enemies of the state because you came from the GDR.


Kostas Murkudis: 
Right, we were stranded in West Berlin, and our financial means of travelling were initially very limited. I took my first trip abroad shortly before graduating from school, to Florence. That was a place I wanted to go no matter what. I wanted to see the museums, I wanted to drink in the Italian culture. Of course I was also interested in more exotic destinations. I tried to visit them in my mind. Sometimes I used films about foreign countries. My fantasy took care of the rest on the basis of things
I knew from books or what friends told me, for example about Argentina or Peru. I had already felt a strong yearning for South America as a child in the GDR.
I wanted to be part of the Indian culture. Karl May was cultivated in the East. I often went to the Karl May Museum near Dresden, and that facilitated that first journey back in time that took place constantly in my imagination. I had the same experience with the Saxon king Augustus the Strong, who really knew how to party in every respect. I was fascinated by the castles and the things he had collected in them.

Peter Gorschlüter: It was Augustus the Strong’s appreciation for art, and that of his son Augustus III, that formed the foundation of the Dresden State Art Collections. Starting in the early eighteenth century they expanded the holdings and collections – the Green Vault, the Sculpture Collection, the Cabinet of Prints and Drawings, etc. Both of them pursued their collecting activities with an extremely universal approach that saw the applied arts on a par with the fine arts. Did that influence you?

Kostas Murkudis: I was often in the Zwinger, the Painting Gallery and
the Armoury directly opposite. And of course in the Green Vault, which has, among other things, one of
the world’s most fantastic collections of jewels. As a child, I stood in front of those objects, mesmerised. And then there were also the Baroque castles with their gardens and exotic plants and the fantastic collection of Chinese and Japanese porcelain. The story of porcelain in Dresden is a very peculiar matter, involving alchemy and Johann Friedrich Böttger, who was locked up so he could discover how to make gold and
in the process stumbled across the secret of porcelain production. I didn’t really understand all of those
things back then, but they inspired me to set out on journeys through time.

Peter Gorschlüter: How did you find your way to fashion after you had finished school?

Kostas Murkudis: First I started studying chemistry. At the time I didn’t have the guts yet to pursue my own goals. I would have preferred to study architecture or become a conservator, but in the end, to please my parents, I chose a profession they could approve of. That turned out to be pointless. By the end of my second year of basic studies I had lost all interest. Then I wanted to train as a graphic designer and went to a school here in Berlin that also offered courses in fashion and photography. As a way of preparing for the graphic design exam, I took the fashion exam. I passed both, and in fashion I was even the best. I was surprised, because I had never considered studying fashion. So then there was pressure on me from all sides to do the fashion course, which I then completed.

Peter Gorschlüter:
 After your studies you worked for Wolfgang Joop for
half a year. Then you worked for Helmut Lang for seven years, from 1986 to 1993. His reductive minimalist designs in combination with high-tech fabrics were causing an international furore at the time. What did you learn from him that was of use to you later on?


Kostas Murkudis: 
I got to know Helmut in Munich in 1986 when he was preparing for his first presentation outside Austria.
He asked me what I did for a living. I said, the same as you, fashion. I had just left Joop and he asked me if
I’d like to work with him and I said yes. With Helmut I
found exactly what really interested and inspired me.
You worked hard and seriously there, there was a vision, there was a plan, and there was a whole lot I could really learn. Starting with how you go about researching something. The communication there was exceptional and very productive.

Peter Gorschlüter:
 In 1994 you founded your own label, KOSTAS MURKUDIS. Was that a decision that had ripened over the course
of several years?


Kostas Murkudis:
 No, not at all. I was very, very happy to be with Helmut Lang in the position as second-in-command. I enjoyed all the liberties of a creative profession, but didn’t have to face the press or worry about financial matters. I saw that as a privilege. But I wanted to see my son grow up, so I decided to leave Helmut and work at a photo studio in Munich as a stylist for a year – until Helmut and a lot of other people persuaded me to continue with fashion design. At around that time I entered a contest. I was one of the winners to be sponsored for two years and was also given the opportunity to show my own work and sell it in Paris. So I suddenly had the feeling I had to start my own business and find people who could work with me and turn my ideas into reality. One thing led to another until I got to the point where I asked myself: What now? Now we have a functioning business, with connections as far away as Japan; we have production facilities, I have the people I need. What now? Should I go on like this,
go to a fair, sell? And then a whole lot of people, including influential people from the field, encouraged me to take the first step and expose the production to the public more. My partner at the time said: either we do it right or we quit. So we spent some money, rented
a studio and risked everything.

Peter Gorschlüter:
 People who aren’t part of the fashion world have a certain image of it: there’s a fashion designer and he
has a large studio with a lot of employees. Seamstresses, for example, and designers who work
at the computer. But your studio seems like a very intimate place to me. How important is this personal environment to you, and how does your work as creative director for a large company differ from that for your own label?


Kostas Murkudis:
When I think back to the early years, it really was the way you describe it. I had a large studio in the classical sense, with seamstresses and pattern-makers. That changed when I returned to Berlin in 2004. My environment is important to me, totally, and it’s important to me to be close to my brother Andreas. For me, the studio I have now reflects more the spirit I sense in Berlin. I like being in Berlin, and I appreciate this city because it conveys something different from Vienna, Munich or Paris, and makes something different possible. For me this isn’t a fashion city. For me Berlin is a city that has conquered a place for itself in art and is willing to open its eyes to something different. Here there are lots of possibilities for working with other disciplines; people are much more open. Then I realised I would rather sell my ideas than entire collections. So I no longer needed a studio in the classical sense, just a little laboratory, an alchemistic kitchen for the preliminary work. At the same time, I kept the doors open to working as a creative director or consultant for other companies such as New York Industrie, Closed, or, recently, for Ter et Bantine,
which all have their own workshops, etc. to place at my disposal. The classic image of the fashion company,
with the designers on the second floor, the sewers on the third, distribution on the first, didn’t seem to me to be appropriate for Berlin. Since then I’ve considered myself an idea provider. And my own collection, which
I still produce here, developed into a kind of lab collection which wouldn’t justify running a big studio.
By “lab collection” I mean trying things out that, in the broadest sense, do not aim to be sold, reproduced or manufactured in series but have unique specimen character. In 2010, after presenting the show at the MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main with Carsten Nicolai and meeting the museum director Susanne Gaensheimer, I had the feeling my professional life was branching off: into free artistic work, commercial work for industry, and this in-between collaboration zone I conceive of as a learning zone.

Peter Gorschlüter:
 You frequently seek proximity to artists and cooperate with them. To date you’ve cooperated most frequently with Carsten Nicolai. But there are others, for example the odour artist Sissel Tolaas. How does this form of collaboration differ from working in your own team?

Kostas Murkudis:
 It differs in that I have incredible, almost intimidating respect for these artists. I have an easier time when it comes to product development, whether it’s a glass or a piece of furniture or whatever. There I see a specific use. With art, it’s more difficult for me to grasp, but I appreciate the complexity of these works. Sissel Tolaas has extremely interesting ideas; she has an alert mind, which leads to interesting visionary fruits. With Carsten Nicolai it’s similar. In both cases, I’m fascinated
by the fact that they direct their attention to the future; they aren’t backward-looking, don’t cling to technology or something that sells well. That’s something I greatly value in them. William Forsythe is another good example. I first discovered William for myself in the 1990s. Meanwhile I know that he was already extremely productive even back then, also in the area of fashion, for example his project with Irving Penn for Issey Miyake. In that context he was the choreographer; he staged
the pictures. I saw William’s dance performances at
the Munich opera house and was both impressed and inspired. I had never seen anything like it before.
It was unique, how he so brilliantly brought together light, sound, stage, the architecture, the dancers,
even their costumes, all the facets of a production,
and made them merge. It was incredible, bewitchingly beautiful, sensual and perfect in the sense that everything jibed so smoothly. They were artworks on
a completely different level.

Peter Gorschlüter:
 One of the things you’ve done with Carsten Nicolai
was the fashion show at the MMK in 2010, which we touched on a few minutes ago. In that context there were an incredible number of parallels between your work and Carsten’s, between his way of handling audio-visual structures and your way of working with structure, texture and textiles. It was a synaesthetic experience. At the fashion show, light patterns by Carsten were projected onto the models wearing your designs, accompanied by a sound collage – it was a kind of layering of a wide range of sensory impressions.

Kostas Murkudis:
 Of course I was aware that if I worked with Carsten
I might well get to the point where the classical fashion industry would say: for God’s sake, you don’t even see the clothing! But that didn’t matter to me in the least.
I usually don’t think in such terms. I see the linking of
the two worlds of art and fashion as a challenge,
a fascinating idea. Because naturally, sound and staging also play a role in fashion design. I wanted to depart from the classical setup in which the models are bathed in light and the audience sits in darkness – the catwalk.
It was an initial endeavour. I found it absolutely essential to give Carsten the scope he needed – I would give that to any other artist and his work as well. And he also gives me the framework to show what I want to show and how
I want to show it. We developed the choreography and all those things together, including the choice of colours. And we also talked about the sound. In that work there are sound sequences from the film
“Le Mépris“ by Jean-Luc Godard. I wanted to combine various elements, and Carsten realised my ideas in a very brilliant way. He responded to things that took place in the production – both colours and elements – that is, the distribution and staging of colour – and further intensified those elements and, to an extent, overlapped them in such a way that the origin was no longer visible. It was an experiment. Carsten and I agreed: let’s do this, let’s prepare it here in Berlin
and then go to Frankfurt and look at it and adjust it
on site. We took a huge risk.

Peter Gorschlüter:
 How would you describe your affinity to art?

Kostas Murkudis:
 I’ve been interested in art since my early youth. It really did start with my first visit to the Dresden Zwinger as a child, and then took the classical path to the accumulation of art-historical knowledge, what took place when, and who the important exponents of a period were. I also took an interest in the Bauhaus pretty early
on, and explored modern art. Art has accompanied me
all my life; it’s part of my life, part of my curiosity. Here in Berlin, I’m fortunate to be surrounded by galleries and artists and be able to exchange views. And, naturally,
like almost all creative people, art stimulates me.

Peter Gorschlüter:
 In the exhibition at the MMK, a number of works by
other artists from the museum collection are juxtaposed with your work. What aspect do you find especially interesting in this context? What is important to you with regard to the selection?


Kostas Murkudis:
For me it’s exciting to work with this fantastic collection and to create a dialogue between it and my work. Actually, the dialogue with art is always happening,
even if it’s not always apparent to the outside world.
In the exhibition, I can show that for the first time, without necessarily having to select the artists whose work bears a specific relationship to mine. That’s not
so important to me. It’s not like I explore the work of
one particular artist in every collection, even if I
recently did that with my spring/summer 2014 collection “4D – Tribute to Franz Erhard Walther”.

Peter Gorschlüter:
 How would you define the term auteur-designer?


Kostas Murkudis:
 I try to try things out. I could make things really easy
for myself and build on what I did the last time, or take someone whose language I can develop as my orientation. Then I’d be on safe territory. But I like to
take the more difficult route, start at zero. Sometimes
I start with the material; sometimes I start with an idea that I verbalise in a sentence; sometimes it’s also a reaction to something. The longing for something new
is always very strong at the beginning of every collection. When the work cycle is finished, the idea is usually also concluded, and I start all over again with
the next collection.

Peter Gorschlüter:
 What about the material, the textiles? That’s a slightly different matter, isn’t it?


Kostas Murkudis:
 With the material, research actually plays a big role. There are various companies I’ve developed a relationship with over the years, and whose products I look at regularly. There are both innovative and traditional companies that are very interesting. It’s just like with a lot of other things in my life: there are always two poles. There’s this longing for the traditional, for the classical core values that turn up again and again and are still as valid as ever, and on the other hand the interest in innovation. For example there’s a company in Italy I cooperate with that has extremely high standards and uses the absolute purest natural products, the finest and the best. But this company is also innovative, when it prints these classical materials in strange ways or furnishes them with unusual surfaces. I really like this traditional innovation spirit. And then there are really absurd things you’ve never seen before, technological materials. Whether they’re the new silks such as nylon, polyester, polyamide, polypropylene or pure plastic, in other words soft plastic that you might know just from the household, but that lends itself to experimentation. And then there are these really strange high-tech materials that were originally not made for clothing but have to fulfil other functions, for example technical nets. Carsten just had this incredibly beautiful synthetic material from the area of sail-making sent to me, for instance. It’s manufactured by a company in Holland. You still recognise almost woven structures in it. That fascinates me: materials where you no longer know whether what you’ve got is plastic, cloth or paper.

Peter Gorschlüter:
 To what extent does the consistency of the material influence your designs? In other words: do you try to overcome the boundaries of the material, or does the material generate the form?


Kostas Murkudis:
 Both approaches are interesting. Sometimes it’s smarter not to work against the material but to stick with what the material has to offer. And sometimes,
of course, it’s suspenseful to overcome those boundaries and thus to create something new. I like to combine materials from different worlds, cloths from the classical, traditional world of textiles with materials from the world of technology, particularly ones with functional character. Sometimes I combine them, sometimes I juxtapose them, but sometimes I also try to somehow break these materials. For example I upgrade technical materials with more traditional techniques; I don’t treat them in the way they would be processed by the industry but refine them in a more classical way with my knowledge or other techniques. Or vice versa: for example those silks from the spring/ summer 2011 collection that is now in the MMK: I had the silks coated with latex in order to make them cut-proof on the edges. By sealing them in this way, I break the beautiful surface to an extent. In everything I do,
I try to find a balance between contrary things. To cite another example: I bought an extremely high-quality sheepskin and I’m trying to combine it with nylon – in other words to elevate both materials and have them communicate with one another. I’m interested in what happens between these two worlds, this reciprocal influence. Sometimes they merge, sometimes there’s a lot of friction and contention between them. I like both, and that also corresponds to my life story.

Peter Gorschlüter:
 You have donated large proportions of your personal archive to three museums in three different countries: the Palais Galliera, Musée de la mode de la Ville de Paris, the Kyoto Costume Institute in Japan and the MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. What moved you to do that?


Kostas Murkudis:
 On the one hand, I wanted to make my work accessible to interested persons on a long-term basis. On the
other hand, it also corresponds to the way I’ve been working in the past years. I create unique specimens, and museums are a more suitable place for them than shops. I first had to go through my work and digitalise
my archive, which I’ve been doing with my assistant Valerie von Kittlitz for a few years now. There’s a frontal view of every article of clothing on a hanger – very deliberately from a hanger suspended from the ceiling, and not on a mannequin, so the items are free of
a body. And we also produce detail and close-up shots. That gives me an opportunity to get to know and appreciate my work again in a new way. Because in the close-ups, beauty is created by the way the view is framed, or by the perspective. In the archive we also document the technologies we’ve developed for the respective series, the respective material. Because every material demands its own treatment and its own finish. Distances from edges, seams or no seams, the finishing of the inside – all these things are documented with almost mathematical precision. My work on my archive, and presently on the exhibition, has proven to be incredibly enriching because it gives me a different perspective on my own work. Moments are generated that I never would have expected. For me it’s a journey
of discovery through my own history.

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