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Interview mit Hassan Khan

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Flow My Tears, the Policeman Said im MMK 3 ist die erste institutionelle Einzelausstellung des ägyptischen Künstlers Hassan Khan in Deutschland. Der Titel basiert auf dem gleichnamigen Science-Fiction Roman von Philip K. Dick aus dem Jahr 1974. Die Ausstellung spiegelt nicht unmittelbar den Roman wider, sondern verweist vielmehr auf die der Geschichte innewohnenden Themen. Die enge Verflechtung zwischen menschlicher Komplexität und Macht sind Aspekte, die in den Arbeiten der Ausstellung wiederzufinden sind. 
Julia Haecker (MMK) sprach mit Hassan Khan über seine Arbeitsweise, politische Aspekt in seinen Werken und vor allem über die Ausstellung im MMK 3.

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Hassan Khan

Du arbeitest als Komponist, Autor und Künstler. Denkst Du in diesen Kategorien und Zuschreibungen oder würdest Du Deine Rolle ganz anders definieren?

Ich bezeichne mich weniger als Komponist und Autor, sondern eher als Musiker und Schriftsteller. Zunächst scheint darin nur ein kleiner Unterschied zu liegen, aber er sagt viel darüber aus, was ich mache: Ein Komponist ist viel mehr mit der Praxis – die auf handwerklichen Fähigkeiten und Kompositionsmethoden beruht – verbunden. Als Musiker arbeite ich jedoch unmittelbar mit der Musik selbst und kann sie über unterschiedlichste Wege erreichen, die natürlich auch Kompositionsverfahren beinhalten. Mit dem Begriff des Autors ist es ähnlich: Er ist viel eingeschränkter und eng mit dem Literaturbetrieb verknüpft. Aber ein Schriftsteller ist eine Person, die zunächst nichts als Sprache aufschreibt. Ich denke, ich habe eine Beziehung zu allen Bereichen, aber ich identifiziere mich nicht zu hundert Prozent mit ihnen. Deswegen benutze ich selbst weit gefasstere Wörter für mein Schaffen.

Die Vielfalt und die Menge Deiner Arbeiten spricht dafür, dass Du Dich dauerhaft in einer Art Gedankenstrom befindest. Wie bündelst Du Deine Ideen? Gibt es Themen, die Du auf eine bestimmte Art und Weise abhandelst?

Meine Art zu denken, hat viel mit meinen Anfängen als Künstler in meinen Jugendjahren zu tun. Ich ging bereits mit 15 Jahren zur Universität. Weil ich so jung war, nahm ich die Dinge viel intensiver wahr als die anderen, etwas älteren Studenten. Alles um mich herum schien zu explodieren: Ich habe alles aufgesogen, was ich von der Menschheit lernen konnte und was sie produziert hat – sei es Musik, Literatur, Malerei oder Kunst aus allen Teilen der Welt und aus allen Zeiten. Zu dieser Zeit habe ich auch angefangen, Musik zu machen. Mit 19, 20 Jahren habe ich die Universität abgeschlossen und bereits eine Ahnung davon gehabt, was ich machen wollte. Das hatte nichts mit einer Festlegung auf bestimmte Medien zu tun. Jedes Werk verlangt eine Form, die ihm auf spezifische Art und Weise entspricht. Die Ideen sind nicht auf alle Medien anwendbar. Wenn schließlich eine Übertragung zustande kommt, dann entsteht daraus etwas ganz besonderes. Zum ersten Mal habe ich 2006 meine Arbeiten in der Ausstellung Kompressor zusammen gezeigt – die Synergien, die dabei entstanden, fand ich wahnsinnig interessant und produktiv. Jemand sagte mir, dass die Ausstellung wie eine Gruppenausstellung wirkte. Das war jener Moment, in dem alle Formen ihren eigenen Raum eingenommen hatten und zusammen existieren konnten. Es entstand ein gleichsam harmonischer wie dissonanter Dialog. An solchen Ausstellungsformaten bin ich sehr interessiert.

Um all die unterschiedlichen Werke zu realisieren arbeitest Du oft mit anderen Musikern, Performern oder Schauspielern zusammen: Was reizt Dich daran? Inwiefern lässt Du den anderen Mitwirkenden Freiraum für eigene Ideen?

Das hängt sehr von der jeweiligen Arbeit ab und variiert stark. Ich habe zum Beispiel eine sehr besondere Beziehung zu Schauspielern. Wir arbeiten auf einer sehr vertraulichen Basis zusammen, nichts dringt nach außen. Ich versuche mit ihnen nicht als Schauspieler im eigentlichen Sinne zu arbeiten, sondern vielmehr über persönliche Gespräche ihre menschlichen Erfahrungen in die Performances einfließen zu lassen. Das ist nur ein Beispiel für eine sehr spezifische Methode. Die Arbeit mit Musikern ist manchmal ähnlich. An einige Stücke gehe ich wie ein Komponist heran. Wir gehen mit Sessionmusikern ins Studio und arbeiten an einem Stück. In anderen Situationen frage ich die Musiker zunächst, was ihr Verständnis von ihrer Musikkultur ist, in der sie arbeiten. Manchmal bitte ich die Musiker, eine Melodie immer und immer wieder zu spielen – wie eine Maschine. Während die Musiker vorspielen, merke ich, was geändert werden muss. Wenn ich mit der Melodie zufrieden bin, nehmen wir diese auf, aber spielen sie erneut immer wieder, um sie von ihrer kulturellen Zugehörigkeit zu befreien. Die Wiederholungen vereinfachen schließlich die Melodie. In meinem Stück Taraban zum Beispiel war ich daran interessiert, aus einem Detail einer Melodie eine neue Melodie zu kreieren.

Wie Du bereits angemerkt hast, stehen Deine Arbeiten in einem engen Dialog. Fast alle Werke für die Ausstellung im MMK 3 sind neu entstanden. Hast Du die einzelnen Werke bei der Enstehung direkt im Zusammenhang gedacht?

Mit Philippe und Klaus (Anm.: Philippe Pirotte, Direktor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, und Klaus Görner, MMK Kurator, haben die Ausstellung kuratiert) bin ich durch den Ausstellungsraum gegangen und habe angedeutet, was ich machen würde. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich eine Vorstellung davon, wie die Ausstellung aussehen sollte. Lange Zeit zuvor war mir allerdings nichts klar, was ich machen könnte, denn ich hatte tiefe Bedenken gegenüber dem Raum selbst. Als es kein Zurück mehr gab, hatte ich das Gefühl, direkt auf den Raum antworten zu müssen. Das heißt nicht, dass die Arbeiten nur für diesen Raum entstanden sind. Alle Werke haben ihre eigene kleine Geschichte. Ich versuche zum Beispiel schon seit Jahren einen Paravent zu produzieren. Der Paravent (The Double Face of Power, 2015) ist also die Fortsetzung einer Idee, die ich schon immer einmal umsetzen wollte.

Hassan Khan, The Double Face of Power, 2015, Courtesy Hassan Khan, Foto / photo: Axel Schneider

Hassan Khan, The Double Face of Power, 2015, Courtesy Hassan Khan, Foto / photo: Axel Schneider

Manche Sachen sind sehr genau geplant, andere passieren ganz zufällig. Es ist eine merkwürdige Mischung aus beidem. Auch Fehler können Teil der Werke werden, wenn ich sie letztlich nicht beheben kann. Das hat nichts damit zu tun, dass ich zu faul wäre sie zu beheben. Ich habe Angst, aber weiß zugleich, dass aus dem Fehler etwas anderes entstehen kann. Das ist schwer zu erklären. Es gibt nicht den einen Weg.

Die Ausstellung im MMK 3 ist Deine erste Einzelausstellung in Deutschland. Fiel es Dir schwer eine verhältnismäßig kleine Auswahl aus Deinem riesigen Schaffen zu sondieren?

Die Ausstellung im MMK ist meine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland, aber ich hatte schon eine Show in dem Non-Profit Raum Uqbar in Berlin. Es war für mich kein Problem für diese Ausstellung eine kleine Auswahl zusammenzustellen. Mir war sofort klar, dass ich eine alte Arbeit, den Film Studies for Structuralist Film no. 2, zeigen wollte. Dazu wollte ich auch unbedingt neue Werke produzieren. Ich konnte mir nicht vorstellen, in dem Raum nur eine Selektion früherer Werke zu zeigen. 2011 und 2012 hatte ich große Einzelausstellungen in Istanbul und Kairo. Das war eine großartige Erfahrung.

Das vielleicht augenfälligste Werk in der Ausstellung ist „Abstract Music“. Mit der Arbeit materialisierst Du Musik, indem Du nicht klingende Glaszylinder zeigst. Was ist die Verbindung zur Musik?

Ja, die Arbeit hat ganz offensichtlich mit Musik zu tun, aber es geht nicht nur um Musik. Ich beziehe mich vor allem auf die Abstraktion, die eng mit Vermessung und Austausch verbunden ist. Die Arbeit ist deshalb eine Komposition – abstrakte Musik –, weil ein System aus Maßeinheiten besteht, die unterschiedliche Werte haben können. Das gleiche passiert in Kompositionen, aber auch in Wirtschaftssystemen. Ich bringe verschiedene Werte zusammen und akkumuliere sie. Akkumulation ist für mich der Moment, in dem ein System zum Leben erweckt wird. Ohne Akkumulation wäre kein Zugang, kein Austausch möglich. Ich denke, dass das die Basis der menschlichen Zivilisation ist, die ihrerseits auf kulturellen Codes basiert. Eine andere ist es, den Dingen Namen zu geben bzw. einen Namen zu haben.

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Hassan Khan, Abstract Music, 2015, Courtesy Hassan Khan, Foto / photo: Axel Schneider

Diese Arbeit ist für mich die Vergegenwärtigung eines Systems, das von uns produziert wurde. Ich sage bewusst Zivilisation und nicht Kultur, weil ich den Begriff in einem globalen Sinn meine.

 Die Porträts im Film Studies for Structuralist Film no. 2, das Klatschen der Hände bei Live Ammunition! – das sind sehr direkte Arbeiten in der Ausstellung, während sich der Paravent und die Glaszylinder mit Abstraktion auseinandersetzen. Alles funktioniert letztlich miteinander: Wir sind materiell existent, produzieren aber Abstraktion. Ich möchte für dieses Thema sensibilisieren. Nicht weil ich das denke, sondern weil das Publikum seine eigene emotionale Landschaft so in die Arbeiten integrieren kann. Für mich ist das die Idealvorstellung eines Kunstwerks. Es geht nicht darum, eigene Werte auf das Werk zu projizieren, sondern sich wirklich damit auseinanderzusetzen, so dass ein Gespräch entsteht.

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Hassan Khan, Studies for Structuralist Film no. 2 Silent Black and White HD Video, 23 minutes 42 seconds, 2013, Courtesy of the artist and Galerie Chantal Crousel

Abstrakte Musik bedeutet in der Musik, dass diese nur auf sich selbst verweist und keine Intention verfolgt. Verweist Deine Arbeit also darauf, dass Du explizit Politisches aus Deinem Werk fern halten möchtest?



Eigentlich ist es genau das Gegenteil. Bei Abstract Music geht es zunächst um ein System. Es geht um Abstraktion, aber auch Abstraktion ist sehr systematisch. Und das Stück selbst ist ein System von Gedanken. Die Arbeit entstand in einer Welt, in der auch Politik gemacht wird. Es geht nicht darum, etwas direkt Politisches zu sagen, sondern dass das Stück in einer Umwelt geschaffen wurde, die von Politik oder einem politischen System regiert wird. Ich möchte mit meinen Arbeiten vielmehr zum Nachdenken anregen als „Ready-Made-Interpretationen“ herbeizuführen.

Live Ammunition! ist im Gegensatz zu Deinen aufwendigen elektronischen Kompositionen eine sehr reduzierte Form von Musik, die durch ein rhythmisiertes Klatschen der Hände gekennzeichnet ist. Das Stück ist jedoch schon in anderen, orchestrierten Fassungen erschienen. Weshalb hast Du Dich hier für eine neue Fassung entschieden?



Live Ammunition existiert in drei Versionen. Die erste war eine Komposition in vier Sätzen für Streicher, Klatschen und live-electronics, es hieß Live Ammunition!!, mit zwei Ausrufezeichen. Das Wort Munition ist stark aufgeladen und weist für mich eine enge Verbindung zum Klatschen auf.

 Die zweite Version in drei Sätzen konnte ich in einem Park während des Nuit Blanche Festivals in Paris 2013 aufführen. Immer ist das Klatschen wichtig, aber es spielt immer auch eine andere Rolle. Die aufwendigen Sessions, die ich für das Klatschen realisiert habe, sind die Quelle für alle drei Stücke. Insgesamt habe ich mit Percussionisten 16 unterschiedliche Muster aufgenommen. Es gibt ähnliche Blöcke, die ich aber auf unterschiedliche Art und Weise konfiguriert habe. Daher ändert sich der Titel Live Ammunition immer nur ein wenig.

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Hassan Khan, Live Ammunition!, 2015, Courtesy Hassan Khan, Foto / photo: Axel Schneider

Die Arbeit Live Ammunition! mit ihrem Hinweis auf Gewaltanwendung steht in direkter Verbindung zur Arbeit Flow My Tears, The Policemen Said, die nicht aktueller hätte sein können: Jüngst wurden 130 Ägypter von einem Richter zu Tode verurteilt, der in der Arbeit illustriert wird.

Momentan gibt es viele Leute, die zu dem Thema kleine Photoshoparbeiten produzieren. Dieser Richter ist sehr bekannt geworden in der letzten Zeit, was sich auch in der Popkultur widerspiegelt. Viele nutzen den Richter als Material – so wie ich. Interessanterweise nutzen viele die gleiche Ästhetik und stellen ihn nicht realistisch dar. Es scheint als müsste man eine formale Autorität verfremden und auf eine andere Ebene bringen. Es war interessant festzustellen, dass ich in diesem Moment eng mit der Popkultur verbunden war.

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Hassan Khan, „Flow My Tears, The Policeman Said“, 2015, Courtesy Hassan Khan, Foto / photo: Axel Schneider

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Interview with Hassan Khan 

Flow My Tears, the Policeman Said at the MMK 3 of the MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main is Hassan Khan’s first institutional solo exhibition in Germany. The title quotes that of a science-fiction novel of 1974 by Philip K. Dick. The exhibition does not want to retell the story but rather makes reference to its inherent themes. The close intertwinement between human complexity and power is one motif that can be encountered in the works on display. Julia Haecker (MMK) talked to Hassan Khan about his artistic approach and above all about the exhibition, which will be on view at the MMK 3 until 12 April 2015.

Among others you work as a composer, author, director. Do you even think in categories like that? How would you describe yourself your own role?

Well I use the words musician, writer and artist rather than composer and author which might first sound like a small difference. But I think it says much about what I’m doing because the terms are wider. A composer is more related to a practice which is based on learning, skills and the craft of composing music in a certain tradition. But as a musician I work with the music itself and I can approach it in many different ways including more standard compositional tools. It’s the same with author. It’s a more restricted word related to the literally establishment. But a writer is a person who is just writing language. I think I have a relationship to all these various establishments but I don’t completely identify with them. That’s why I use these words that I feel are wider in their implications.

The stunning variety and the quantity of your works point out that you seem to live in a continuous stream of thoughts. Is there a special way how you channel your ideas? Are there issues which you process in different ways?

This is a good question. I think it has a lot to do with how I first began as a teenager – so a long time ago. I entered University when I was fifteen. University is for the most people a place where a lot of things happen. But when you are really young things are very powerful. It’s like an explosion of ‘things’. In this period I went through a phase of processing all what I could learn of what ‘humanity’ in general produces in terms of music, literature or painting or arts from all around the world and from all different times. It was all one big mix. I also started playing music at that time. I finished university when I was 19, 20 years old and at that time I already had a kind of intuition or a sense of what I’m doing. It didn’t have anything to do with mediums specifically. Each work demands a form which is specific to it. These ideas are not really interchangeable. And if there is a sort of translation then something important happens. In 2006 for my exhibition Kompressor – I allowed myself for the first time to explore many different mediums and forms together. I found the synergy produced to be very interesting and productive. It was the first time that someone commented that this was a solo show that looked like a really good group show. I have heard similar comments quite a lot since. This moment is for me when forms are able to possess their own space and thus the ability to co-exist together. When that happens a real – a harmonious and dissonant – dialogue can take place. I’m very interested in exhibition formats that are able to produce this sort of dialogue and resonance.

Of course, to realize all this different kind of works you collaborate with a lot of other people, like actors, musicians, performers, theater directors. What’s your interest in this crossover? And to what extent to you let the participants realize their own ideas?

It really depends on the work and varies quite a lot. For example I always begin working with actors by having a totally confidential conversation. None of what happen between us is revealed. In this process I try to deal with the actor not just as an actor but actually as someone who possesses the sum of total of human experience. In the process of the work we attempt find ways to re-access and to re-discover their own experiences and to understand that in a way that can be relevant to the performance we are developing. It is partially from their knowledge that I produce a performance, even if usually I have a structure and facets already in mind. This is just one example, there are many others. Working with musicians is sometimes a bit similar. But again there are different approaches. In some pieces and with some musicians I go in like a composer. We work with session musicians, go to the studio and record these sessions. It’s a sort of normal situation for producing music. But in other situations I work with musicians based on their understanding of their musical culture. For example I have a melody that comes from a genre they work in and I ask them to play this melody over and over again maybe without stopping, almost like a machine. This time the human factor has been mechanized. While he or she is playing I can start telling them to change this note or add this note. And then when I’m happy with the melody we can record it but we also play it over and over again to drain it from the poses that are associated with the genre itself. The repetition simplifies the music and brings it to some primary structural patterns. In my piece Taraban (http://bit.ly/18BnRyu) for example I brought out a detail inside the melody which I then transform into a complete melody itself.

Your works in the exhibition are in a very strong dialogue as you mentioned before. Most of the works in the exhibition are new productions. Did your ideas came up one after another or were the works supposed to show them together to produce this dialogue?

At an early point I walked through the exhibition space with the curators Philippe and Klaus (Philippe Pirotte – director Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main – and Klaus Görner, curator at MMK Museum für Moderne Kunst – A/N) and I described the works and where they will be placed in one go. So the show was imagined in the space in like five minutes. But before that for a long time it was not clear what I will do and I also had deep reservations about the space itself. When there was no way out I found that I had to respond. That doesn’t mean that the works have just been worked out for this space. All of them had their own little histories. So for example the paravene (The Double Face of Power, 2015 – A/N) – for several years I have been trying to produce something that is not exactly like that but related to it, using car finish, the surface sheen, as a medium as a form of density and embedding things in that display. So this paravene is a continuation of another dialogue that I’m having with works which I want to produce. Some things are very calculated, other things are totally accidental. It’s a strange balance between both. But this is how I work a lot of times. I’m very very precise in some ways and in some ways I’m incredible messy. Mistakes become part of the works, almost because I could not deal with some of them. Not because I’m too lazy it’s almost more like the world has crashed and I cannot deal with that. A moment where I fear the mistake but am excited by it. I take risks then. I cannot explain it. In any case there is no one way to produce.

The exhibition at MMK 3 is your first solo show in Germany. Was it difficult to choose respectively to produce a relatively small selection from your huge Oeuvre?

Actually it’s not the first solo show in Germany, it’s the first institutional one, I already had an exhibition in a very small non-profit space in Berlin called Uqbar. But this is my first museum exhibition in Germany. I didn’t have a problem with showing a small selection. In the beginning Philippe said I didn’t have to produce new works, that I could also select older ones. The first thing I knew about the exhibition was that there is one older work – the film Studies for Structuralist Film no. 2 – which I wanted to show. Beside this I really wanted to produce new works. I had recently in 2012 and 2014 two big survey shows in Istanbul and Cairo. They were great experiences for me.

Abstract Music is probably the most apparent work in the exhibition. With this work you try to materialize music by showing huge glass cylinders which don’t make any sounds. What’s the connection to music?

Yes, the piece obviously has a connection to music. But my reference is not just music. My reference is primary abstraction which is about measurement, value and exchange. I think of the piece as a composition – it’s abstract music – because the system is based on regular identified units that are also different, they have different values. The way you do in a composition but it’s also what you might have in an economic system. There is a way of marking accumulation in this piece. For me accumulation is the moment in which a system comes into place. Without accumulation there is no excess, there is no possibility of exchange. I find that these paradigms are at the foundations of human ‘civilization’ – it’s really based upon primary gestures like that. Another primary is the basic fact of having a name. This piece is therefore for me a sublimation of a system that I feel is at the origins of a lot of what we have (as humans) produced together. And I say ‘civilisation’ not culture because I mean this in a really wide inclusive sense. There are some very distinct small tribal cultures that are different in this regard but the majority of humanity has lived under the same system of primary abstraction. The film Studies for Structuralist Film no. 2, the piece Live Ammunition! – these are very concrete works while pieces like the paravene and the glass pieces deal with abstraction. These two things come together for me. We are materially present but we produce abstraction. My aim is not for people to see the work and necessarily think of these ideas because these in the end are just ideas that I have thought of, nothing more than that. But there is something else that is valuable in having them which is that they allow the work to possess a density of meaning that is then open to the audience. This is then a process in which the audience could engage with the work by projecting their own emotional landscape onto it. Ideally that moment of engagement allows for something unknown to happen. Also for me I don’t this that this necessarily means that the audience is projecting ideas or interpreting something, but rather that an engagement and conversation with the ‘real’ might take place.

In musical language abstract music means that music doesn’t follow any intention. So e.g. political or any other meanings are excluded from this idea of music. It just exist for its own sake. Did this work refers to the point that you prefer to exclude explicit political contents like many people suggest in your work?

Actually it’s the opposite. First the piece Abstract Music is about a system. It’s about abstraction but abstraction is very systematic. And the piece itself is a system of thought. The work is constituted in a world in which politics is also constituted. It’s not about talking about politics but it’s made up out of the stuff which politics rules and is ruled by. Systems are a political thing. I do make a lot of arguments about the necessity of thinking of the work rather than having ready–made–interpretations whether they are political or cultural. For example if someone says that this work is against capitalism what else can the work ever tell then? By the way, while on the subject, I don’t think capitalism exists. I think no system actually really exists as such. These are just our messy descriptions of something that is partially there. But nothing is really total.

Compared with your dense electronic compositions Live Ammunition! is a very reduced kind of music. You hear clapping hands producing a special rhythm. The piece was also produced before in certain ways. Why did you decide to produce another version? And is here a reason why you take this one for this exhibition?

Live Ammunition exists in three forms. The very first was a composition in four movements for a live concert and titled Live Ammunition!! with two exclamation marks (not one) for strings, clapping and live electronics. The word ammunition is very loaded and in this case it’s directly connected with clapping as a collective percussive human activitiy. And then there was another iteration of the piece as one movement of Composition for a Public Park a three movement multi-channel music installation which premiered at the Nuit blanche Festival 2013 in Paris. The clapping in the different pieces is not all the same. Although they are all sourced from the same recording sessions I did with percussionists where I recorded different patterns that I had composed – I think there were 16 patterns in total. They are similar because the building blocks are the same but I’m configuring them in different ways. And that’s why the title Live Ammunition is sort of the same but changes slightly. Here it has one exclamation marks not two.

Live Ammunition is directly connected to Flow my tears, the policemen said which is totally current since in the February 130 Egypts were sentenced to death at once by a judge who is illustrated on this work.

Right now there are a lot of people doing little photoshop things. In the last weeks the judge became very popular, in a negative sense, as material for different kind of iterations on the internet. It’s a form of popular culture. Lot’s of people are just using this judge as material which is kind of what I’m doing too. It’s interesting that everybody is doing that by using basically the same aesthetic choice. Everybody has decided to portray him, the icon of authority, in a non- realistic fashion. It might be the intuited sense that if you represent this formal authority you need to desacralize it somehow and move it beyond a realistic rendition. A step has to be taken. That was a funny moment where I felt, and this is not my goal, that I was aligned with something happening in popular culture.

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