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MMK Lieblingswerke … von Mario Kramer

Heute stellen wir Euch auf MMK Notes die zentrale Person der MMK Sammlung vor: Sammlungsleiter Dr. Mario Kramer. Neben seinen kuratorischen Aufgaben für das Museum ist er der zentrale Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Künstler der Sammlung. Als Sammlungsleiter ist er für die langfristige Inventarisierung sowie Verwaltung der 5.000 Kunstwerke des MMK verantwortlich und kennt die Sammlung wie seine Westentasche. Darum waren wir sehr gespannt zu erfahren, was sein Lieblingswerk in der Sammlung ist und wie er sich momentan auf die neue Museumserweiterung MMK 2 im TaunusTurm vorbereitet.

In welcher Ausstellungsplanung sind Sie momentan involviert?

Zunächst war ich mit der neuen Sammlungspräsentation der Highlights und der Klassiker im Haupthaus, dem MMK 1 beschäftigt. Ein Höhepunkt ist dabei die Komplettierung des 20. Jahrhunderts mit den „Date Paintings“ von On Kawara von 1966 bis ins Jahr 2000 hinein. Sein Werk war von Anbeginn eine Art Dreh- und Angelpunkt der Sammlung des MMK. On Kawara war für mich immer der wichtigste und radikalste Konzeptkünstler seiner Generation. Damit korrespondieren nun Werke wie „Ein Jahrhundert – Johann Wolfgang von Goethe gewidmet“ von Hanne Darboven oder „Die tausend längsten Flüsse der Welt“ von Alighiero Boetti.

On Kawara, Date Paintings, 1966 - 2000. Foto: Axel Schneider © MMK Frankfurt

On Kawara, Date Paintings, 1966 – 2000. Foto: Axel Schneider © MMK Frankfurt

Zur Neupräsentation gehören aber natürlich auch Hauptwerke aus der ehemaligen Sammlung von Karl Ströher wie Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg oder Andy Warhol. Weitere Highlights sind ebenfalls raum- und ortsbezogene Werke von James Turrell oder Thomas Demand, die speziell für das MMK entstanden sind. Neben Werkgruppen von Gerhard Richter und Blinky Palermo werden auch Neuerwerbungen der letzten Zeit von Thomas Scheibitz und Raqs Media Collective erstmals in jeweils eigenen Räumen zu sehen sein.

Dayanita Singh, Go Away Closer, 2014. Foto: Axel Schneider. © MMK Museum für Moderne Kunst

Dayanita Singh, Go Away Closer, 2014. Installationsansicht MMK Museum für Moderne Kunst. Foto: Axel Schneider. © MMK Frankfurt

Für das MMK 3 habe ich die erste umfassende Werkschau in Deutschland der international renommierten Fotografin Dayanita Singh umgesetzt. Die in Neu Delhi lebende Künstlerin (*1961) versammelt in ihren mobilen „museum structures“ fotografische Sammlungen der vergangenen 30 Jahre aus ihrem Archiv. Schließlich bereite ich zum Abschluss diesen Jahres für das MMK 1 die erste große Ausstellung vor, die ausschließlich dem zeichnerischen Werk von Sturtevant gewidmet sein wird. Die Künstlerin ist meines Erachtens nach wie vor von herausragender Bedeutung für die Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung mit mehr als 100 Zeichnungen erlaubt einen konzentrierten Blick auf das grafische Werk der Künstlerin über vier Jahrzehnte, von 1964 bis 2004. Vor allem ihre frühen Zeichnungen der 1960er-Jahre sind der Schlüssel zum Verständnis des radikalen konzeptuellen Werks der Künstlerin. Insbesondere ihre Zeichnungen von 1965 und 1966, die sogenannten „Composite Drawings“, geben eine klare Vorstellung von Sturtevants künstlerischem Denken und ihrem Status in der Kunstgeschichte als eine Art „Mega Pop“ oder „Pop Surplus“. In den letzten fünfzig Jahren erarbeitete Sturtevant das vielleicht radikalste Werk ihrer Generation, das durch ein rigoroses und beharrliches konzeptuelles Denken bestimmt wird.

Auf welche kommende Ausstellung sind Sie besonders gespannt?

Besonders gespannt bin ich auf die Ausstellung „Boom She Boom“ im MMK 2, unserer neuen Dependance im TaunusTurm. Seit der Eröffnung 1991 hatte das MMK einen besonderen Schwerpunkt bei der Erwerbung von ganzen Werkgruppen von Künstlerinnen wie etwa Marlene Dumas, Rosemarie Trockel oder Charlotte Posenenske. Hinzu kamen Hauptwerke von Künstlerinnen wie Katharina Fritsch, Vija Celmins, Cady Noland oder Isa Genzken. In den letzten Jahren hat das MMK zudem Künstlerinnen wie Sturtevant, Sarah Morris, Rineke Dijkstra, Andrea Büttner oder Jewyo Rhii große Einzelausstellungen gewidmet. Von all den genannten Künstlerinnen wurden kontinuierlich Werke für die Sammlung erworben. Die neue Ausstellungsfläche bietet eine großartige Chance, viele dieser Werke unserer Sammlung erstmals in einer größeren Überblicksausstellung zu zeigen.

Welche Wünsche/Vorstellungen verbinden Sie mit der Museumserweiterung?

Wir werden in den nächsten Jahren im MMK 2 erstmals die Möglichkeiten haben aus der eigenen Sammlung heraus Ausstellungen zu organisieren, die unterschiedlichste Aspekte neu beleuchten werden, während im Haupthaus MMK 1 die Klassiker auch längerfristig gezeigt werden können.

Was ist Ihr Lieblingswerk bzw. Ihre Lieblingswerkgruppe in der Sammlung des MMK und was mögen Sie daran so gern?

Sammlungsleiter Mario Kramer vor der Präsentation von Andreas Slominskis Werken aus der MMK Sammlung im MMK 1

Sammlungsleiter Mario Kramer vor der Präsentation von Andreas Slominskis Werken aus der MMK Sammlung im MMK 1

Meine besondere Wertschätzung galt in den letzten 24 Jahren dem Werk von Andreas Slominski. Er erscheint mir als einer der intelligentesten Künstler seiner Generation, der es immer wieder verstanden hat mich zu überraschen. Seine Werke wurden von Anbeginn unserer ja noch jungen Museumsgeschichte intensiv gesammelt und ausgestellt. Das MMK dürfte weltweit die einzige Museumssammlung sein mit über 50 Werken des Künstlers aus drei Jahrzehnten. Andreas Slominski hat wie kaum ein anderer Künstler unserer Sammlung die Besucher bewegt und herausgefordert zu den zentralen Fragen unserer menschlichen Existenz und dem sozialen Ganzen unserer Gegenwart. Auch von diesem Künstler gibt es im Rahmen der Neupräsentation der Sammlung im MMK 1 einen eigenen Raum mit Neuerwerbungen.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Frankfurts Bankenviertel?

Das waren eigentlich immer die Orte, die Hans Romanov für seine Clubaktivitäten gefunden hatte, ganz aktuell das Neglected Grassland in der Sandhofpassage.

Dr. Mario Kramer, Sammlungsleiter MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

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