MMK 1|2|3/Sammlungsparcours

Restaurieren im MMK: Das Restaurieren

Wollten Sie nicht immer schon mal wissen, was die Reparatur eines Kunstwerkes von der eines Fahrrads unterscheidet, haben aber nie zu fragen gewagt?

Bei beiden braucht man spezielle Materialien, Geduld und handwerkliches Geschick. Doch reicht dies auch aus, wenn sich zum Beispiel an dem Werk „The Burning Forest“ (1976) von Jack Goldstein die Schallplatte aufgrund von Materialermüdung in Einzelteile auflöst? Im Gespräch mit der Leiterin der Restaurierung im MMK, Annette Fritsch, wurde die Komplexität dieses Falls deutlich. Gesucht wurde ein alterungsbeständiger, mit dem Material des Objektes kompatibler Klebstoff, der natürlich nicht kommerziell erhältlich ist.

Schallplatte

Nach einigen Testdurchläufen mit einem sogenannten Dummy erwies sich ein in Wasserstoff gelöstes Acrylharz als ideales Reparaturmaterial. Hier wird exemplarisch die Spannbreite des Berufsfelds des Restaurators, restaurare, (lat.): in Stand setzen, deutlich: Fingerspitzengefühl, Flexibilität und Neugierde. Dazu kommen Managementfähigkeiten und vor allem differenzierte Fachkenntnisse, die nur in einem speziellen Studium zu erlangen sind, das die Fächer Kunstgeschichte, Chemie und Physik beinhaltet.

Schallplatte2

Die Materialien der Gegenwartskunst stellen in vielfältiger Weise eine Herausforderung für die Restaurierung dar, so sind zum Beispiel Lebensmittel, Naturmaterialien, Kunststoffe sowie elektronische Elemente in künstlerische Objekte integriert. Gerade im Bereich der Elektronik ist die Antizipationsfähigkeit des Restaurators gefragt. Um das reibungslose Funktionieren über Jahrzehnte zu gewährleisten, muss dauerhaft nach, auch historischen, Ersatzteilen gesucht werden.

Jack Goldstein, The Burning Forest, 1976. Aus der Serie

Jack Goldstein, The Burning Forest, 1976. Aus der Serie “ A suite of Nine 7-inch Records“, 1976. Foto/photo: Axel Schneider © The Estate of Jack Goldstein / Courtesy Galerie Daniel Buchholz

Der zunehmende Anteil an Videokunst und der Einsatz digitaler Präsentationsformen eröffnen neue Dimensionen des Berufsfeldes. So ist die regelmäßige Fortbildung Pflichtprogramm. Vor der Restaurierung liegt allerdings der Fokus auf dem Erhalt der Kunstwerke. Der Restaurator muss hierbei Kreativität und Akribie in seinen Ausführungen vereinen: Bei der regelmäßen Sichtung des Bestandes müssen selbst kleinste Schäden präzise dokumentiert werden, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Fragt man Annette Fritsch nach ihrem spannendsten Moment am MMK, so betont sie die Vielseitigkeit ihrer Arbeit und die vielen spannenden Momente, die im Kontakt mit neuen Objekten und „Fällen“ entstehen.

Text von Stella Coersmeier

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