MMK 1|2|3/Sammlungsparcours

Restaurieren im MMK: Das Konservieren

Was Sie schon immer über die Zitrone in Joseph Beuys Werk „Capri-Batterie“ (1985) wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten… Stella Coersmeier, aus der Presseabteilung des MMK, ging dieser Frage auf den Grund und interviewte die Leiterin der Restaurierungsabteilung, Annette Fritsch.

Annette am Werk
Annette Fritsch am Werk

Warum ist die Zitrone immer so gelb und frisch? Und wie kommt sie ins Museum? Diese und weitere Fragen stellen sich Museumsbesucher, wenn sie vor diesem schnell vergänglichen Werk von Beuys stehen. Wer dazu eine fachmännische Antwort sucht, muss die Leiterin der Restaurierungsabteilung des Museums, Annette Fritsch, befragen. Diese ist Expertin für das Konservieren und Restaurieren von Kunstwerken und befasst sich mit den unterschiedlichsten Materialien künstlerischen Ausdrucks. Also hier, der Zitrone. Zum Erhalt des Objektes ist es notwendig, die Beschaffenheit der vorgegebenen natürlichen Zitrone zu studieren und im Zuge deren Haltbarkeitsspanne für adäquaten Ersatz zu sorgen, der den passenden Farbton und die richtige Form und Größe aufweist; einen Kriterienkatalog hat die Restauratorin dabei stets im Kopf.

Joseph Beuys, Capri-Batterie, 1985. Foto: Axel Schneider © VG-Bildkunst Bonn

Joseph Beuys, Capri-Batterie, 1985. Foto: Axel Schneider ©VG-Bildkunst Bonn

Es handelt sich hierbei zwar um einen ganz speziellen Fall, doch repräsentiert dieser den Kern des Aufgabenfeldes des Restaurators, der für den Erhalt, die Wiederherstellung, den Transport sowie den Ausstellungsaufbau zuständig und verantwortlich ist. In den nächsten Wochen sollen hier diese Tätigkeitsbereiche beleuchtet werden; wir starten mit der Konservierung, conservare (lat.): bewahren. Im Rahmen dieser Reihe führte ich mit Annette Fritsch ein Interview, in dem sich dieses Berufsfeld für mich als eine überaus spannende Verbindung von Theorie und Praxis der bildenden Kunst sowie Forschung offenbarte.

Im Gegensatz zu historisch überlieferten Materialien weisen moderne Werkstoffe, mit denen Künstler der Gegenwart experimentieren, häufig eine schlechte Haltbarkeit auf und bedürfen des frühen Eingreifens des Restaurators. Einige dieser Materialien verformen sich bereits nach wenigen Jahren, verändern ihre Farbigkeit oder lösen sich auf. Bewährte Verfahren der Konservierung traditioneller Materialien können nur teilweise für modernste Objekte übernommen werden. Annette Fritsch betont in diesem Zusammenhang, dass es darum geht, immer eine individuelle, dem Werk entsprechende Lösung zu finden. So werden bei der Zitrone Versuche zur Verbesserung der Haltbarkeit mit dem Einspritzen von Alkohollösungen vorgenommen.

Bevor sich die Restauratorin einem Kunstwerk nähert, beschäftigt sie sich zunächst mit der Intention des Künstlers, denn einzelne Künstler provozieren absichtlich Veränderung und Verfall. Annette Fritsch sucht dabei stets den Kontakt zu noch lebenden Künstlern, die in der Sammlung vertreten sind, oder versucht auf andere Weise, den Hintergrund eines Werkes zu erfahren.

Unabhängig davon, ob ein Kunstwerk in der Ausstellung gezeigt oder im Depot gelagert wird, steht die Korrespondenz des Objektes mit verschiedenen äußeren Einflüssen im Zentrum der Aufmerksamkeit der Restauratorin. Ein konservatorisch zuverlässiges Umfeld muss geschaffen werden; dazu zählt die Berücksichtigung von natürlichem und künstlichem Licht sowie das Raumklima. Neben der Zuständigkeit für die Werke im öffentlich zugänglichen Bereich liegt eine besondere Verantwortung in der Bewahrung der gelagerten Werke. Annette Fritsch berichtet, dass sie einen täglichen Rundgang durch das Sammlungsdepot macht und neben der unverzichtbaren instrumentellen Kontrolle ein „Gespür“ für die Sammlung des MMK entwickelt hat.

Text von Stella Coersmeier

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