Die Göttliche Komödie/Interviewed

Interview mit Simon Njami

Diese Woche präsentieren wir die letzte Ausgabe unserer gemeinsamen Interviewserie mit dem Online-Magazin C& Contemporary And. Julia Haecker (MMK) und Yvette Mutumba (C&) sprachen mit dem Kurator der Ausstellung, Simon Njami (*1962 Lausanne/Schweiz, lebt in Paris), über seine Auseinandersetzung mit dem Jenseits und Dantes epischer Dichtung. Mit der Ausstellung möchte er die herkömmliche Auffassung von Himmel, Hölle und Fegefeuer aufbrechen. Er verriet uns, was ihn als weltweit anerkannten Experten für zeitgenössische afrikanische Kunst tagtäglich dazu antreibt, als Kurator zu arbeiten.

Simon Njami organisierte bereits zahlreiche Ausstellungen zur zeitgenössischen afrikanischen Kunst, darunter 2004 bis 2007 „Africa Remix“ (80 zeitgenössische afrikanische Positionen, die an fünf internationalen Ausstellungsorten gezeigt wurden), kuratierte den afrikanischen Pavillon der Biennale Venedig 2007 und die FNB Joburg Art Fair 2008 in Johannesburg, Südafrika. Er war Mitbegründer und Chefredakteur der “Revue Noire”, zehn Jahre lang künstlerischer Leiter der “Bamako Photography Biennale” und hat zahlreiche Publikationen zu afrikanischer Kunst veröffentlicht.

Pascale Marthine Tayou , Les cercles de cristal, 2005. Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main: Foto /photo: Renato Ribeiro Alves © MMK Frankfurt

Pascale Marthine Tayou, Les cercles de cristal, 2005. Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main: Foto /photo: Renato Ribeiro Alves © MMK Frankfurt

MMK/C&: Der Himmel ist im Erdgeschoss des Museums angesiedelt, das Fegefeuer in der Mitte und die Hölle in der obersten Etage. Dem Himmel ordnen Sie die Farbe Weiß, dem Fegefeuer Rot und der Hölle Schwarz zu. Auf einer weiteren Ebene sind die drei Bereiche mit Personen der Kunstgeschichte verbunden: Kasimir Malewitsch steht für das Paradies, Caravaggio für die Hölle und Jean-Michel Basquiat für das Fegefeuer. Welche Ideen stecken hinter diesen Zuordnungen?

Simon Njami: Es ist ganz einfach: Ich finde das Paradies langweilig, sehr totalitär und „weiß“. Weiß bedeutet Licht und Reinheit. Malewitsch wollte sich der Farben entledigen und produzierte weiße Bilder auf weißem Hintergrund. Er ist also der perfekte Begleiter für das Paradies: Die ganze Theorie des Suprematismus ist sehr totalitär, es gibt kaum Freiheiten.

Das Fegefeuer ist für mich der Ort, an dem Menschen am ehesten Mensch sein können. Im Himmel sind sie hingegen so etwas wie Engel, im Fegefeuer kann man sie sehen und als Menschen erkennen, auch wenn sie unter verschiedensten Bestrafungen leiden müssen. Mein Freund Jean-Michel war ein Sünder – und ich mag Sünder sehr –, aber das hat ihn auch umgebracht. Ich sehe das Fegefeuer als einen Ort, wo sehr viele Farben sind, vor allem Rot. Darum geht es auch in den Bildern von Michel.

Caravaggio verdient mit Sicherheit die Hölle: Er wurde zum Mörder und obwohl er Katholik war, musste er in die Hölle. Caravaggio war besessen von dem Kontrast zwischen Schwarz und Weiß in seinen Bildern. Für mich ist er also der perfekte Begleiter für die Hölle.

Yinka Shonibare, How To Blow Up Two Heads At Once (Gentlemen), 2006. Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto / photo: Axel Schneider © MMK Frankfurt

Yinka Shonibare, How To Blow Up Two Heads At Once (Gentlemen), 2006. Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto / photo: Axel Schneider © MMK Frankfurt

MMK/C&: Was hat Ihre Vorstellungen vom Jenseits beeinflusst?

SN: Das ist eine Frage, die ich an die Künstler weitergeleitet habe. Wo möchtet Ihr sein? Natürlich ist das nur eine theoretische Frage, diese Reiche existieren ja nicht. Die Hölle wäre mein bevorzugter Ort, nicht nur die Hölle, vielmehr der Limbus. Dort findet man Menschen vor, die nicht an den „richtigen“ Gott geglaubt haben. Ich möchte herausfinden, wer der „richtige“ und wer der „falsche“ Gott ist.

Im Limbus sind Menschen, wie zum Beispiel Vergil, die geboren und gestorben sind vor Christi Geburt und kleine Kinder, die nicht getauft wurden. Das ist der eindeutige Beweis für die Absurdität des katholischen Glaubens, denn: Warum sollte ein Baby in die Hölle kommen? Warum haben manche Menschen die Chance, in den Himmel zu gelangen, andere nicht?

Den Himmel finde ich langweilig, das Fegefeuer ziemlich interessant, aber zu heiß, viele Dinge passieren dort. Im Fegefeuer sind die Menschen blind, sie leben im Rauch. In der Hölle sind die Monster, aber der Limbus ist eine Art VIP Corner.

Den Künstlern habe ich solche Fragen gestellt, natürlich haben sie einen unterschiedlichen Geschmack. Interessanterweise – und ich denke, das ist direkt mit der Kunst verbunden – musste ich einige überzeugen, in das Fegefeuer oder in den Himmel zu gehen. Die meisten haben die Hölle bevorzugt.

MMK/C&: Wie haben Sie die Künstler überzeugt? Der Himmel schien den meisten als Ort ohne Konflikte wahrscheinlich schlichtweg zu langweilig, oder?

SN: Letztlich war es einfach, denn wir wollten das Christentum mit der Ausstellung ja dekonstruieren. Die Hölle kann für jemanden anderen der Himmel sein und umgekehrt. Die Ausstellung möchte eben nicht Dantes Text illustrieren, sondern diesen in einen neuen Kontext setzen. Warum sollte ich mich nach einem Buch richten, das andere geschrieben haben? Ich kreiere eher meine eigene Welt, die zu meinen Vorstellungen und zu meiner Philosophie passt.

Wim Botha, Prism, 2014 und Aïda Muluneh, The 99 Series, 2013. Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto / photo: Axel Schneider © MMK Frankfurt

Wim Botha, Prism, 2014 und Aïda Muluneh, The 99 Series, 2013. Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto / photo: Axel Schneider © MMK Frankfurt

MMK/C&: Auf den ersten Blick scheint die Ausstellung eine klare Struktur zu haben durch die Einteilung in Himmel, Hölle und Fegefeuer verteilt auf drei Etagen. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung stellt man jedoch schnell fest, dass die Grenzen sehr viel durchlässiger sind, als man zunächst annimmt.

SN: Ja, genau. Denn es ist kein religiöses Jenseitsreich, das ich zeigen möchte. Menschen sind Menschen, jeder kann sich von einem Moment zum nächsten als ein ganz anderer erweisen.

MMK/C&: Sie haben also von den Künstlern erwartet, dass sie Himmel, Hölle und Fegefeuer dekonstruieren?

SN: Nein, ich habe diese Reiche dekonstruiert mit den Blicken der anderen. Ich spiele mit ihren Perspektiven und ihren Vorstellungen von den Jenseitsreichen. Die Künstler wiederum sind mit ihrem Werk beschäftigt.

Zoualikha Bouabdellah zum Beispiel zeigt mit ihrer Installation etwas sehr persönliches und spezifisches. Ich nutze ihre Vorstellungswelt und bringe sie zusammen mit dem Werk von Andrew Tshabangu, der sich mit dem Christentum in Afrika auseinandersetzt.

Gott ist ein sehr gutes Geschäft geworden, das mit der Zerbrechlichkeit der Menschen spielt. Also wollte ich den einen Gott Seite an Seite mit dem anderen Gott stellen und zeigen, dass Religion nichts anderes, als eine große Lüge ist.

Das alles geht darauf zurück, was wir aktuell wieder erleben: Menschen entscheiden für andere, so wie es auch jeder Religion zu eigen ist. Die Päpste unterstützten den Sklavenhandel, weil sie davon ausgingen, dass Schwarze keine Seele haben.

MMK/C&: Hier schließt sich direkt unsere nächste Frage an, die sich auf die politische Ebene der Ausstellung bezieht: Sie sagen, dass Sie Territorien abschaffen möchten und auf die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft auf der einen Seite und deren Verzerrung auf der anderen Seite abzielen. Welche Utopie steckt hinter dieser Aussage?

SN: Das ist keine Utopie, sondern Realität. Ich wurde in Paris ausgebildet, komme aber aus Kamerun. Allein durch die Tatsache, dass ich existiere, gibt es schon viele abgeschaffte Grenzen.

Ich denke, dass Kunst die Menschen zwingt, nachzudenken und uns vor Augen führt, dass Grenzen eine vollkommen seltsame Angelegenheit sind. Es sind nicht die physikalischen Grenzen, sondern eher die mentalen Grenzen, die zuerst aufgebrochen werden müssen. Ich möchte die Menschen wachrütteln und sie dazu zwingen, Fragen zu stellen und über ihre Fehler nachzudenken, die so offen liegen.

MMK/C&: Wenn Sie aber Afrikaner verschiedener Länder in einer Ausstellung zeigen, bestätigen Sie die Idee des Territoriums, oder?

SN: Physikalischer Raum ist für mich eine Metapher und eine Abstraktion. Die Afrikaner sind das lebende Beispiel für die Absurdität von Territorien. Ich weiß nicht, ob zum Beispiel Mwangi eher afrikanisch oder europäisch ist. Das möchte ich den Menschen zeigen. Ich beschäftige mich mit Künstlern, nicht mit afrikanischer Kunst. Ich weiß nicht, was das sein soll.

MMK/C&: Können Sie erklären, was der Begriff der politischen Kunst für sie bedeutet?

SN: Ich weiß nicht, was politische Kunst ist. Für mich ist Kunst politisch, wenn sie eine Meinung äußert. Ich erachte jedes Werk in der Ausstellung als politisch. Ich mag Formen, die nicht zu offensichtlich sind. Wir neigen dazu, zu vergessen, wie wichtig unsere Meinung ist und das es andere sind, die uns kontrollieren möchten. Die wollen uns nur davon abhalten nachzudenken. Nachdenken ist heutzutage also eine politische Frage. Solange wir die Integrität unserer Gedanken bewahren, sind wir politisch. Das heißt nicht, dass jede Regel gebrochen werden muss.

 

Ndary Lo, The Day After, 2013. Aus der Serie / from the series "Self-Portrait As a White Man", Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto / photo: Renato Ribeiro Alves © MMK Frankfurt

Ndary Lo, The Day After, 2013. Aus der Serie / from the series „Self-Portrait As a White Man“, Installationsansicht / Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto / photo: Renato Ribeiro Alves © MMK Frankfurt

Vor 10 Jahren haben Sie in Düsseldorf die Ausstellung „Africa Remix“ kuratiert , die als „Durchbruch“ für afrikanische Kunst gesehen wurde. Haben Sie ahnen können, welche Auswirkungen Ihre Ausstellung haben wird?

Ich arbeite als Kurator oder politischer Aktivist. Ich glaube nicht an Durchbrüche. Ich möchte den Menschen etwas zeigen. Ein so genannter „Durchbruch“ gibt den Menschen die Möglichkeit, etwas weniger dumm zu sein und ich hoffe, dass das deutsche Publikum durch die Ausstellung etwas weniger dumm geworden ist. Als ein Politiker nutze ich mein Werkzeug und antizipiere Situationen wie ein Schachspieler.

Wenn die Ausstellung einigen Künstlern erlaubt hat, als Künstler angesehen zu werden und nicht als Afrikaner, dann ist das ein wunderbarer Effekt. Die Frage nach dem Publikum ist einer sehr interessante und knifflige zugleich. Ich kenne das Publikum nicht und mir sind seine Erwartungen egal. Ich fasse meine Ideen in Ausstellungen zusammen und manchmal funktioniert es, manchmal nicht.

„Durchbruch“ wurde tatsächlich überall verwendet. In meiner Ausstellung waren Künstler, die für den internationalen Markt entdeckt wurden, aber in Wahrheit schon 40 Jahre als Künstler gearbeitet haben. Etwas zu „entdecken“, was schon sehr lange existiert, ist eine Art europäische Arroganz: Was Du nicht kennst, existiert nicht. Afrika ist ein Konzept, weil es nicht territorial festgelegt ist. Darum mag ich es, Afrikaner zu sein.

MMK/C&: Die letzte Frage: In ihren Schriften und Äußerungen ziehen Sie vielfache Verbindungen zwischen den einzelnen Künsten: Künstler seien Schauspieler, Kunst funktioniere wie eine Symphonie. Welche Vorstellung steckt hinter diesen Beziehungen?

SN: Ich denke nicht, dass die Unterscheidung in sechs Künste existiert. Es ist eine sehr dumme Unterteilung. Zum Beispiel: Wenn ich eine Oper mache, brauche ich einen Text, Stimmen, Design, Kostüme, alles muss konzipiert werden. Man kann einen Menschen nicht auf eine Rolle festlegen.

Ich verstehe mich als Kurator, aber die Beschreibung als Dirigent oder Komponist würde ebenso gut passen. Ich schreibe die Musik und muss dann die richtigen Instrumente und Musiker finden.

Wie könnte ich alleine eine Ausstellung machen?! Ich kann nicht malen, ich bin nicht reich, ich habe keinen Ausstellungsraum. Ich habe mal einen Text geschrieben mit dem Titel „A Curator as a Naked King“: Jeder Schauspieler spielt seine eigene Rolle in dem Stück.

 

Foto /photo: Renato Ribeiro Alves © MMK Frankfurt

Foto /photo: Renato Ribeiro Alves © MMK Frankfurt

Interview with Simon Njami

Simon Njami (b. 1962 Lausanne, Switzerland, lives in Paris) has organized numerous exhibitions of contemporary African art, among them “Africa Remix” (works by eighty contemporary African artists shown at five venues worldwide) from 2004 to 2007, and curated the African pavilion of the Venice Biennale in 2007 and the FNB Joburg Art Fair 2008 in Johannesburg, South Africa. He was a co-founder and chief editor of Revue Noire, and artistic director of the “Bamako Photography Biennial” for ten years, and has published numerous writings on African art.

MMK/C&: Heaven is located on the ground floor, purgatory is in the middle and hell is on the top floor. You have attributed a color to each realm. Heaven is the white area, hell the black one and purgatory the red one. Additionally, you connect each level with an important figures of art history. Malevich represents paradise, Basquiat purgatory and Caravaggio hell. What’s the idea behind these attributions?

SN: It’s very simple. I find paradise very boring, very totalitarian and very „white“. White symbolizes light and purity. And Malevich wanted to get rid of colors and did so by painting white on white. So I thought that he would be the perfect companion for paradise. The whole suprematist theory is very organized; there is not a lot of freedom.

Purgatory for me is the place where humans are allowed to be human. In heaven they are some kind of angels and in purgatory you can see them, you can recognize them even if they have to suffer different punishments. My friend Jean Michel was a sinner, I like sinners, but that is also what killed him.

I see purgatory as a place with many colors, predominantly red. And that is what the paintings of Michel are about. Caravaggio certainly deserved hell as he became a murderer. As a catholic, he even had to go to hell. He was obsessed with the contrast of black and white in his paintings. For me he is the perfect companion for hell.

MMK/C&: What influenced your notions of the afterworld?

SN: That’s a question, which I forwarded to the artists. Where would you like to be? Of course, that’s just a theoretical question, those places don’t exist. Hell is my preferred place, but also the limbus. There you have people who don’t believe in the right god. I’m curious to find out what the „right“ god is and what the „wrong“ god is. There you have people such as Virgil, who were born and died before Christ as well as babies that die before they are baptized. It proved to me the absurdity of the whole Catholic system because why should a baby end up hell? Why do just some people get the chance to go in heaven, and others don’t?

I found heaven boring and I find purgatory quite interesting but too hot. Many things are happening there. If you look at purgatory, all the people are blind, they live in smoke. In hell they are all monsters, they suffer. But in the limbo there is a kind of VIP corner.

I asked the artists such questions and of course they all have different tastes. But what was interesting and I think this is linked to art, is that I had to convince some that purgatory or heaven could be interesting. A lot of them wanted to go hell.

MMK/C&: How did you convince them to go to heaven? Heaven would be probably too boring for the artists.

SN: It was simple because we try to deconstruct Christianity through this exhibition. Somebody’s hell could be somebody else’s heaven. The show doesn’t want to illustrate Dante’s text it wants to complicate it and put it in a new context. Why should I organize my life according to a book that other people wrote? I’d rather make my own world according to my beliefs and philosophy.

MMK/C&: That’s quite interesting because at first glance, the exhibition seems to have a very clear structure but when you go through the exhibition you see that the borders are very open.

SN: Yes, because it’s not a religious afterworld. Because humans are humans, you can move from being one thing to another.

MMK/C&: So, the artists are supposed to deconstruct heaven, hell and purgatory?

SN: No, I am the one who deconstructs it with the views of others. I play with their perspectives and their notions of the afterlife. The artists, on the other hand, deal with their works. When Zoulikha Bouabdellah makes her installation she is expressing something very personal and specific and I’m using her world view and putting it together with the works of Tshabangu who deals with Christianity in Africa. God became a very good business playing with people’s fragility. So I wanted to put that one god side by side with another god, saying that all those religions are liars.

It goes back to what we are seeing now. People deciding for others, that’s what every religion is doing. It reminds of the Pope supporting slave trade because it was assumed that those people don’t have a soul.

MMK/C&: This brings us directly to the next questions connected to the political level of your exhibition. You say that you aim to a connect the past, the future and the distortion of both of them. And you speak about wanting to abolish territories. Which utopia is behind this idea?

SN: It’s not utopia. It’s the reality. I was educated in Paris, but I come from Cameroon. There are plenty of abolished borders just because of the fact that I exist. I think that art forces people to think and to realize for themselves that borders are a strange issue. I think that it’s not the physical borders that matter, but more the mental borders. I wanted to shake the people’s minds, force them to think and question their own obvious faults.

MMK/C&: When you show works of African artists from different countries in one exhibition, doesn’t this confirm the idea of territories?

SN: Well, physical spaces for me are a metaphor and an abstraction. The artists are a living example for the absurdity of territories. Because I don’t know if e.g. Mwangi is more African or European. And this is what I want to show to people. I am dealing with artists, not with African Art. I don’t know what that’s supposed to be.

MMK/C&: Can you explain what the term political art means?

I don’t know what political art is. For me art is political when it expresses an opinion. I see every work in the exhibition as political. I like forms that are not too obvious. We tend to forget how important our opinion and that of those is who want to control us. They want to keep us from thinking. Thinking is a political question today. As long as we keep the integrity of our thoughts we are political. That doesn’t mean that every rule has to be broken.

MMK/C&: Ten years ago you curated the exhibition Africa Remix. In Germany it was a „breakthrough-exhibition” for so called African Art. Did you see it the same way?

SN: I consider my work as a curator as a political actor. I don’t believe in breakthroughs. I want to show things to people. A so-called “breakthrough” gives the people the chance to be less stupid.
And I hope that the German audience became less stupid through this exhibition. As a politician, I take my tools and I anticipate like a chess player what the result is going to be. If that allowed some artists to be considered as artists and not as Africans, that’s fine. But the question of the audience is a tricky and interesting one. I put my ideas out there and it works out fine or it doesn’t work.

„Breakthrough“ was used everywhere. There were artists in my show that were discovered by the international art market but in fact they had already been working for about 40 years. Discovering something that already exists is a kind of European arrogance: To think that what you don’t know, doesn’t exist.

Africans know so much, they speak so many languages, they studied different types of history. Africa is a concept because it’s not territorial. That’s why I enjoy being African.

MMK/C&: One last question: In your publications and comments you draw connections between the single arts: you speak of artists as actors, and say that art works like a symphony. What notions are behind these relationships?

I think that this division in six art forms doesn’t exist. It’s a very stupid division. For example, if you take opera, you have text, voices, design, costumes, stage setting. Everything has to be there. No human being can play just one role. As I was saying, my role is that of the curator. Maybe that can be compared to the role of a conductor or a composer as well. I write the music and then I need to find the right instruments and musicians.

Personally, how could I make a show by myself? I cannot paint, I’m not rich, I’m not running my own space. I have written a text, which is called „A Curator as a Naked King“: Every actor in the piece plays his own role.

Ein Kommentar zu “Interview mit Simon Njami

  1. Sehr geehrter Herr Njami,
    ich möchte Sie ganz, ganz herzlich zu der wunderbaren Ausstellung im MMK beglückwünschen – sie lehrt mich, Dante neu zu sehen ebenso wie Afrika, das ich nur in Nordafrika und in Burkina Faso bereist habe. Afrikanische Künstler habe ich auch in New York kennengelernt, doch hier ist in Ihrer pfiffigen Kuratierung und durch die großzügige Nutzung der vorgefundenen Räume eine sehr herausfordernde und klug arrangierte Begegnung mit afrikanischen Auseinandersetzungen mit der Gegenwart möglich, wie ich sie bisher noch nicht angetroffen habe.
    Herzlichen Dank!

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