Die Göttliche Komödie/talking

Interview mit Nicène Kossentini

Nicène Kossentini, Spawn and wrack (Frai et varech), 2013, Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Courtesy of the artist and the Selma Feriani Gallery, London

Nicène Kossentini, Spawn and wrack (Frai et varech), 2013, Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Courtesy of the artist and the Selma Feriani Gallery, London

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das MMK und sein Kooperationspartner Contemporary And (C&)  haben gemeinsam eine Auswahl an Künstlern der Ausstellung „Die Göttliche Komödie“ interviewt.

Nicène Kossentini (Tunis, 1976) lebt und arbeitet in Sfax. Sie studierte am Institut Supérieur des Beaux-Arts de Tunis und an der Université Marc Bloch in Straßburg. Zudem belegte sie Kurse am Studio National de l’Art Contemporain Le Fresnoy in Tourcoing und an der Gobelins – L’École de l’Image in Paris. Sie konzentriert ihre experimentelle Arbeit auf die Videoproduktion, die sie als poetische Interpretation der Flüchtigkeit der Zeit und der Elemente versteht. Sie hat an zahlreichen Gruppenausstellungen teilgenommen, u. a.: Aftermath, 25. Alexandria-Biennale (2009); Dialogue Among Civilizations, Durban (2010); Photoquai 2011, Musée du Quai Branly, Paris (2011); Magreb Dos Orillas, Círculo de Bellas Artes, Madrid (2011); AIVA – Angelholm International Video Art Festival, Angelholm (2012); Still Fighting Ignorance & Intellectual Perfidy, Kunsthalle São Paulo (2013); The After Revolution, FIAT Gallery, New York (2013). Einzelausstellungen u. a.: They Abused Her By Saying…, La Boîte: Espace d’Art Contemporain, Tunis (2010); Boujmal, Selma Feriani Gallery, London (2011); Paraître, Galeria Sabrina Amrani, Madrid (2012).

Ausgangspunkt der Ausstellung ist Dantes „Göttliche Komödie“. Welche Rolle hat im Vorfeld der Ausstellung die Auseinandersetzung mit Dantes Dichtung für dich gespielt?

NK: Als mich Simon Njami dazu einlud, eine Arbeit zum Thema Dantes Göttliche Komödie, genauer gesagt zum Thema Fegefeuer zu machen, habe ich als erstes Dantes Werk noch einmal gelesen. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich tief in sein Werk eintauchen, allerdings ohne darin verhaftet zu sein. Anders ausgedrückt, habe ich nicht versucht, Dantes Göttliche Komödie zu interpretieren, und jetzt kann ich nicht mehr sagen, ob der Ausgangspunkt meines kreativen Prozesses Dantes Werk war, oder ob es mich erst mitten im Arbeitsprozess der Fertigstellung des Projektes beeinflusst hat. Denn als ich damals während eines Werkaufenthaltes 2012 in Algier mit der Arbeit an dem Projekt begann, hatte das Konzept ursprünglich nichts mit der Ausstellung zur Göttlichen Komödie zu tun und für mich war der Projektentwurf nicht direkt mit der Ausstellung verbunden. Doch als ich mir die erste Geschichte, die ich in Algier aufgenommen hatte, noch einmal anhörte, sagte ich (zu mir selbst): „Da steckt das Fegefeuer drin“, und daraufhin beschloss ich, dieses Projekt zu entwickeln und es für die Ausstellung vorzuschlagen. Ich denke, meine Auseinandersetzung mit Dantes Arbeit besteht in dem Versuch, einen Dialog und eine Begegnung herzustellen zwischen diesem mittelalterlichen Werk und meiner zeitgenössischen Arbeit, die in einem ganz anderen zeitlich-räumlichen Kontext entsteht.

Nicène Kossentini, Spawn and wrack (Frai et varech), 2013, Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Courtesy of the artist and the Selma Feriani Gallery, London

Nicène Kossentini, Spawn and wrack (Frai et varech), 2013, Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Courtesy of the artist and the Selma Feriani Gallery, London

Mit ihrer Verbindung von christlichen Glaubens- und Moralvorstellungen und antiken heidnischen Themen steht die „Göttliche Komödie“ für eine tiefgreifend eurozentrische Vorstellung von Gesellschaft, Werten und Kultur. Diese europäische Deutungshoheit soll mit der Ausstellung aufgebrochen und neu betrachtet werden. Inwieweit glaubst du, dass mit diesem Ansatz eine generelle Hinterfragung eines eurozentrischen Deutungshorizonts stattfinden kann?

NK: Wenn wir unseren Horizont erweitern und unser Blickfeld vergrößern, stellen wir einseitige Sichtweisen in Frage und erlangen in der Folge ein besseres Verständnis für die Kultur des jeweils anderen. Ich bin Tunesierin mit einer im Wesentlichen arabisch-muslimischen Kultur, und aus dieser Perspektive – einem anderen Blickwinkel – nehme ich die Göttliche Komödie wahr. Und hier sollte ich sagen, dass die Wahrnehmung der Göttlichen Komödie aus diesem anderen Blickwinkel einen neuen Horizont eröffnen könnte. Die Tatsache, dass es vielfältige und unterschiedliche Sichtweisen gibt, bereitet eigentlich den Weg für vielfältige und verschiedene Perspektiven und Interpretationen. Eine einzigartige, einseitige Sichtweise wäre daher eine Illusion. Aufbauend auf der Theologie des Mittelalters erzählt die Göttliche Komödie von einer Reise durch die drei Jenseitsreiche, die zur Vision der Dreifaltigkeit führen. Diese imaginierte und allegorische Darstellung der christlichen Unterwelt ist der Inbegriff der mittelalterlichen Weltsicht, wie sie von der römisch-katholischen Kirche entworfen wurde. Dantes fiktive Reise gibt es auch in der islamischen Populärliteratur, und das ist eines der Themen, bei denen die imaginären Traditionen im Islam und im Christentum einander ähneln. Die Reise wird in „Das Buch der Nachtreise“ (Kitab al Isrā) beschrieben, das 1198 von dem andalusischen Mystiker und Philosophen Ibn Arabi geschrieben wurde. Sie wird ebenfalls in „Sendschreiben über die Vergebung“ (Risalat al Ghufran) von Al Maarri, dem berühmten syrischen Schriftsteller (gest. 1057) geschildert. Die Reise in die Unterwelt oder die Nachtreise, in der islamischen Tradition „Isrā“ genannt, sollte dem Propheten einige göttliche Zeichen offenbaren. Die Himmelfahrt „Mirādsch“ begann in Jerusalem, wobei der Prophet vom Erzengel Gabriel begleitet und geleitet wurde. Entsprechend der Legende und der islamischen Populärkultur ritt der Prophet auf dem Rücken eines geflügelten aufgezäumten Tieres namens „Buraq“, das mit dem Gesicht einer Frau und dem Schwanz eines Pfaus kleiner als ein Maultier und größer als ein Esel war.

„Die Göttliche Komödie“ wurde in der europäisch-nordamerikanischen Kunstgeschichte von zahlreichen Künstlern bearbeitet (wie beispielsweise von Botticelli, Delacroix, Blake, Rodin, Dalí oder Robert Rauschenberg). Inwieweit war dies im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit dem Thema für dich von Bedeutung?

NK: Ehrlich gesagt haben diese verschiedenen künstlerischen Interpretationen, die ich persönlich bewundere, in meinem Ansatz und in meiner Auseinandersetzung mit diesem Thema keine Rolle gespielt.

Welche Rolle spielen Religion und Moral für dich in deiner künstlerischen Praxis? Was bedeuten dementsprechend die Begriffe Himmel/Hölle/Fegefeuer für dich persönlich?

NK: Ich denke, dass das Konzept von Religion in meiner künstlerischen Praxis nicht direkt vermittelt wird, obwohl man in meiner Arbeit den Einfluss mystischen Denkens spüren kann. Ich glaube, dass Religion als Komponente der Kultur jedes Einzelnen unsere Wahrnehmung der Welt auf jeden Fall beeinflusst. Allerdings sollte man bedenken, dass es im Islam das Konzept oder die Vorstellung des Fegefeuers nicht gibt. Im Gegensatz zum Christentum, wo der Glaube an den Messias/Erlöser das Heil und ewige Seligkeit bringt und wo das Fegefeuer als Zwischenstadium für jene dient, die für den Himmel bestimmt sind, bestimmen im Islam alle Handlungen, die ein Mensch während seines Lebens auf Erden vornimmt, sein endgültiges Schicksal, ob dies nun der Himmel oder die Hölle ist. Ich persönlich habe eine verschwommene Vorstellung der beiden Konzepte von Himmel und Hölle in meinem Kopf, obwohl es im Koran verschiedene detaillierte Beschreibungen dieser beiden Jenseitsreiche gibt. Ich glaube an die Existenz eines anderen Lebens, doch ich beschäftige mich lieber mit dem Leben hier unten, wo ich mein Dasein bekräftigen und versuchen kann, seine Bedeutung zu begreifen.

Worum geht es in der Arbeit, die im MMK zu sehen ist?

NK: Die Arbeit, die ich im MMK zeige, ist eine Installation von sechs Videoprojektionen. Die sechs Videos sind frei von figürlichen Darstellungen. Es sind die Worte, ob in gesprochener oder schriftlicher Form, die die besonderen Elemente der Videos ausmachen. Sie ersetzen die abwesenden Bilder, um imaginäre Räume hervorzurufen. In dem Projekt geht es um sechs Geschichten, die von sechs Algerier/innen erzählt werden. Jede Person blickt auf ihr Leben zurück und erzählt spontan von ihren wichtigsten Erinnerungen. Die sechs Geschichten werden im algerischen Dialekt erzählt, einer Mischung aus arabischen und französischen Wörtern. Sie werden gleichzeitig abgespielt und von einer ins Englische übersetzten Transkription begleitet. Die Untertitel erscheinen einzeilig und laufen im Rhythmus der Erzählung mit.

Nicène Kossentini, Spawn and wrack (Frai et varech), 2013, Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Courtesy of the artist and the Selma Feriani Gallery, London

Nicène Kossentini, Spawn and wrack (Frai et varech), 2013, Installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Courtesy of the artist and the Selma Feriani Gallery, London

Wie bist du an den Entstehungsprozess der Arbeit herangegangen?

NK: Ich wurde vor fünf Jahren zur Beteiligung an dem Projekt für die Ausstellung zur Göttlichen Komödie eingeladen. Da ich eine relativ lange Zeit dafür hatte, konnte sich meine Arbeit entfalten und sich in die gewünschte Richtung entwickeln. Tatsächlich brauchte der kreative Prozess für dieses Projekt auch eine lange Zeit. Und wie bereits erwähnt, entstand das Konzept für das Projekt während eines Werkaufenthalts in Algier. Anfangs war das Projekt eine persönliche Reise. Ich machte mich auf die Suche nach meiner eigenen weit zurückliegenden Geschichte, jedoch auch nach meiner Gegenwart. Vor einigen hundert Jahren verließen meine Urgroßeltern Constantine in Algerien und ließen sich in Tunesien nieder. Heute gibt es keine greifbaren Spuren mehr, die mich mit dieser Herkunft verbinden, die sich auf einzigartige Weise in meinem Nachnamen zeigt: Kossentini (d.h. aus Constantine kommend). Die Geschichte des Landes, wie sie in Büchern erzählt wird, interessierte mich nicht, daher machte ich mich auf die Suche nach den Ursprüngen der Vergangenheit des Landes in den verschiedenen Geschichten, die die gewöhnlichen Menschen in Algerien erlebt haben. Diese Suche war nicht leicht, denn die algerischen Menschen sind sehr reserviert und introvertiert. In den ersten zwanzig Tagen meines Aufenthalts wollte niemand etwas erzählen oder die eigene Geschichte aufzeichnen lassen. Die erste Frau, die sich dazu bereit erklärte, mir ihre Geschichte zu erzählen, war „Keltoum“. Ich traf sie zufällig bei einem Berber-Schmuckhändler in der Straße im Zentrum von Algier, wo ich wohnte. Sie stritt sich mit dem Schmuckhändler über den Krieg in Algerien, und als sie sich zu mir drehte, um mich nach meiner Meinung zu fragen, sagte ich, ich kenne die Geschichte nicht und dass ich hier sei, um etwas darüber zu erfahren. Als ich ihr das Projekt kurz vorstellte, willigte sie ein ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Die meisten Menschen, die sich dazu bereit erklärten, ihre Geschichten zu erzählen, traf ich zufällig und unter verschiedenen Umständen, oft an öffentlichen Orten in Algier. Diese gewöhnlichen und anonymen Menschen, die ich zufällig getroffen hatte, waren bereit ihre Geschichten in kurzer Zeit zu erzählen. Meist dauerten die Treffen ein paar Stunden, so lange brauchte es, um die Aufnahmen zu machen und die Geschichten spontan zu erzählen, ohne irgendwelche Anweisungen von mir. Gleichzeitig einfach und tiefgreifend, sind diese Geschichten winzige Fragmente der wahren Historie, in der sich die wahre Bedeutung der Dinge verbirgt.

Interview with Nicène Kossentini

The exhibition’s point of departure is Dante‘s “Divine Comedy”. In the run-up to the exhibition, how relevant was it for you to actually engage with Dante’s work?

NK: When Simon Njami invited me to create an artwork on the theme of Dante’s Divine Comedy and more specifically on the theme of purgatory, the first thing I did, was to reread Dante’s work. At this stage, the objective was to delve deep into this work, but without attachment. In other words, I didn’t try to interpret the Divine Comedy of Dante and now I cannot confirm if Dante’s work was the starting point of my creative process or if its influence emerged halfway towards completing the project. Because, when I started working on the project during an artist-in-residence programme in Algiers in 2012, this idea was not originally conceived for the exhibition of the Divine Comedy, and for me, the concept of the project was not directly connected to the exhibition. But when I re-listened to the first story that I got from Algiers, I said (to myself), „here is the sense of purgatory“, and I subsequently decided to develop this project and recommend it for the exhibition. I believe that my commitment to the work of Dante consists in trying to create a dialogue and an encounter between this medieval work and my contemporary work, which is created in a very different spatio-temporal context.

In its merging of Christian beliefs and moral values as well as classical pagan topics, the “Divine Comedy” represents a deeply-rooted Eurocentric concept of society, values and culture. The exhibition aims at dismantling the European prerogative of interpretation and looking at it from a new angle. To what extent do you think this approach can lead to the Eurocentric interpretational sovereignty being generally put into question?

NK: Expanding our horizons and broadening our outlook serve to put one-sided views into question and to subsequently improve our understanding of each other’s culture. I’m a Tunisian citizen with an essentially Arab-Muslim culture, and it is from this perspective – which is a different angle – that  I perceive the Divine Comedy. And I should here say that the perception of the Divine Comedy from this different angle could possibly create a new horizon. Actually, the fact that there are multiple and diversified views, sets the stage for multiple and different perspectives and interpretations. A unique one-sided point of view would therefore be a delusion. Building on the theology of the Middle Ages, the Divine Comedy narrates a journey through the three realms of the afterlife that lead up to the vision of the Trinity. Its imaginary and allegorical representation of the Christian underworld is the pinnacle of the medieval view of the world as developed by the Roman Catholic Church. Dante’s fictitious journey exists in Islamic popular literature, and this is one of the themes in which the imaginary Islamic and Christian traditions converge. The journey is illustrated in „The Book of the Night Journey“ (Kitab al isra) written in 1198 by Ibn Arabi, the Andalusian mystic and philosopher. It is also portrayed in „The Epistle of Forgiveness“ (Risalat al Ghofran) by Al Maarri, the famous Syrian writer (d. 1057). The journey to the underworld or the Night Journey, called „isra“ in Islamic tradition, is intended to show the Prophet some divine signs. The ascension to the heavens “Miraj” started from Jerusalem, with the Prophet being accompanied and guided by the Archangel Gabriel. In fantasy and popular Islamic culture, the Prophet travelled on the back of a winged bridled steed named „Buraq“ which was a woman-faced, peacock-tailed beast, smaller than a mule and bigger than a donkey.

In European-North-American art history, the “Divine Comedy” has been interpreted by numerous artists (such as Botticelli, Delacroix, Blake, Rodin, Dalí or Robert Rauschenberg) – what role did this play for you in respect to your engagement with the topic? 

NK: Honestly, these different artistic interpretations that I personally admire didn’t play any role in my approach or commitment to this theme.

How do religion and ethics feature in your artistic practice? And consequently, what do the terms heaven/hell/purgatory mean to you personally?

NK: I think that the concept of religion is not directly conveyed in my artistic practice, although one can notice the influence of mystical thinking in my work. I think religion, as a constituent element of the culture of each person, necessarily influences our perception of the world. It is important to note, however, that the concept or idea of purgatory does not exist in Islam. Thus, unlike Christianity in which the belief in Messiah/ Redeemer brings salvation and eternal bliss and in which purgatory serves as an intermediary state for those destined for heaven, in Islam all actions taken by a person during his/her earthly life shall determine his/her ultimate destiny, whether it is heaven or hell. Personally, I have a fuzzy idea of the two concepts of heaven and hell in my head, despite the various detailed descriptions of these two places of the afterlife in the Quran. I believe in the existence of another life, but I’d rather address life down here, where I can confirm my existence and try to grasp its meaning.

 What is the work exhibited at the MMK about?

NK: The work that I present at MMK is an installation of six video projections. The six videos are exempted from figurative representation. The words, whether oral or written, are the unique elements of the videos. They replace the absent images to evoke imaginary spaces. The project is about six stories told by six Algerians. Each person looks back at his or her life and spontaneously relates his or her most important memories.  The six stories are told in Algerian dialect which is a mixture of Arabic and French words. They are screened simultaneously, accompanied by a transcript translated into English. The subtitles appear in single lines and proceed following the rhythm of the narrative.

How did you go about the creative process?

NK: I was invited to participate in the project for the exhibition of the Divine Comedy five years ago. Having such a relatively long period of time gave my work the chance to evolve and go into the desired direction. Actually, the creative process of this project required a long time. And, as I said earlier, the project was conceived during an artist-in-residence programme in Algiers.  At first, the project was a personal journey. I set off in search of my own history of long ago but also the present. A few centuries ago, my great-grandparents left Constantine, Algeria and settled in Tunisia. Today, there is no tangible trace that binds me to this origin, which is uniquely indicated by my surname: Kossentini (i.e. originating from Constantine). I wasn’t interested in the country’s history as recounted in books, so I went to track the origins of the country’s past through the different stories lived by ordinary people in Algeria. The quest was not easy because Algerians are very reserved and introverted. During the first twenty days of my residence, no one wanted to talk and to record his or her own story. The first woman who agreed to tell me her story was „Keltoum“. I met her by chance at a Berber jeweller in the street in the centre of Algiers where I was staying. She was having an argument with the jeweller about the war in Algeria, and as she turned to ask me my opinion on the subject, I told her that I did not know the story and that I was there to find out about it. As I briefly introduced the project to her, she agreed to recount her life story. I met most of the people who agreed to tell their stories by chance and in different circumstances, often in public places in Algiers. These ordinary and anonymous people whom I had met by chance agreed to recount their stories during very brief meetings of a few hours, the time required to make the recordings and for them to tell their stories spontaneously, without any instructions on my part. As simple as they are profound, those stories are tiny fragments of the true history in which the true meaning of things is hidden.

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