Die Göttliche Komödie/Spotted

Unwissentliches Aufdecken verborgener Wahrheiten

Orisa Imole (Gottheit für Verteidigung and Beurteilung) - Chief Aderemu Awogemi Akeke. Rechts: Orisa Odu (Gottheit für Schutz und Segnungen) - Olakunle Falowo Ololade. © A. Opara

Orisa Imole (Gottheit für Verteidigung and Beurteilung) – Chief Aderemu Awogemi Akeke. Rechts: Orisa Odu (Gottheit für Schutz und Segnungen) – Olakunle Falowo Ololade. © A. Opara

Adolphus Oparas großformatige, erzählerische Fotografien von Wahrsagern aus Regionen Südwest-Nigerias im CCA in Lagos

Obidike Okafor

In seiner ersten nigerianischen Einzelausstellung „Emissaries of an Iconic Religion“ am Centre of Contemporary Art (CCA) in Lagos erschüttert Adolphus Opara das Gewissen von Afrikanerinnen und Afrikanern mit vielen Fragen und deckt unwissentlich verborgene Wahrheiten auf. In diesem aus fünfzehn Porträts bestehenden Bilderfest tritt er mit dem Publikum in einen Dialog über die Bedeutung traditioneller Überzeugungen innerhalb der zeitgenössischen Gesellschaft.

Das Leben in der modernen afrikanischen Gesellschaft verläuft teilweise wie in einem typischen Film aus Nollywood (der Name der nigerianischen Filmindustrie): Wenn eine Frau beispielsweise Probleme mit dem Kinderkriegen hat, greift sie zunächst auf medizinisches Expertenwissen zurück, bevor sie die Kirche um Rat fragt, wenn das Krankenhaus zu versagen scheint. Wenn ihr nun auch bei der Kirche die Geduld ausgeht, sind einheimische Wahrsager ihr letzter Ausweg. Ein anderes Beispiel sehen wir in einem Mann, der in die Fänge schwerer finanzieller Not gerät, nachdem es ihm nicht gelungen ist, seine Arbeit zu behalten oder in seinen Geschäften erfolgreich zu sein: In seiner Frustration gibt er sich zunächst dem finanziellen Erlösungsversprechen der Kirche hingibt. Doch wenn sich diese Übung nicht schnell genug bezahlt zu machen scheint, fährt er in die ländlichen Gebiete, um die für Reichtum zuständige Gottheit zu konsultieren. Jahrhundertelange missionarische Betätigung in Afrika, gepaart mit dem jüngsten Wachstum der Pfingstgemeinden, haben an dieser Lebensweise nichts ändern können, selbst angesichts der zahlreichen geheiligten Stätten, die abgefackelt oder aufgegeben wurden.

Adolphus Oparas großformatige, malereiartige Fotos von Wahrsagern aus Regionen Südwest-Nigerias beschwören daher nicht nur die Symbole und Erzählweisen des einheimischen religiösen Glaubens sowie dessen Bedeutung und Funktion innerhalb der Gemeinschaft herauf. Sie erinnern uns auch daran, dass sich Afrikaner und Afrikanerinnen in Zeiten der Not gerade jenen traditionellen Ideologien zuwenden, die sie eigentlich von sich fernhalten wollen oder völlig abgelehnt haben.

Durch seine Ausbildung als Fotojournalist konzentriert sich Opara auf  die menschlichen Geschichten, die ihm auf seinen Reisen in Nigeria und  Westafrika begegnen. Seine Detailgenauigkeit, die vom wachsenden modernen Kunstgenre der Porträtmalerei beeinflusst ist, lässt sich in der Haltung jedes einzelnen Wahrsagers erkennen sowie in der Hervorhebung einheimischer, religiöser und traditioneller Inhalte: zu sehen sind Statuen, Masken, Verzierungen oder Requisiten für traditionelle und religiöse Aktivitäten (Glocken, Gongs, Statuetten und anderes), die zur mystischen Eigenschaft eines jeden Bildes beitragen. Opara dokumentiert außerdem die Namen des jeweiligen Wahrsagers, der entweder in rot oder weiß gekleidet ist, sowie die Orishas (Götter), die jeder repräsentiert.

Die traditionelle Yoruba-Religion ist eine ikonenhafte Kombination von Prozessen menschlicher Spiritualität, die eine Reihe von Erzählweisen, Symbolen, Vorstellungen und Praktiken beinhaltet. Sie spiegeln die Lebenserfahrung der Praktizierenden wieder, durch den Bezug auf eine höhere Macht, Olodumare, und den Glauben an eine Vielzahl spiritueller Gottheiten. Diese Gottheiten kümmern sich um unterschiedliche Bedürfnisse des menschlichen Lebens, wie Orisha Lajoomi (Gottheit der Kinder), Orisha Odu (Gottheit für Schutz und Segnungen), Orisha Egbe (Gottheit des Schicksals), Orisha Oko (Gottheit der Ernte) und Orisha Ifa (Gottheit aller guten Dinge).

Die Fotodokumentation hält uns im Grunde dezent den Spiegel vor: Selbst, wenn die traditionelle Religion wenig Unterstützung findet, werden wir als Afrikaner nie wirklich vergessen können, woher wir kommen. Wir haben unsere Kultur und Traditionen am Hals, egal wie sehr wir es manchmal auch verleugnen wollen. Opara, Jahrgang 1982, mag es nicht aufgefallen sein, als er die Fotos zwischen 2009 und 2011 aufnahm, doch diese „Iconic Religion“ bleibt wie Ikonen für unsere moderne Gesellschaft von Bedeutung. Auch wenn es  zugegebenermaßen schwerer geworden ist, die Religion unterzubringen.

Obidike Okafor ist Kulturjournalist und Dokumentarfilmer aus Lagos.  

Aus dem Englischen: Ekpenyong Ani

Emissaries of an Iconic Religion, Centre of Contemporary Art (CCA), Lagos, 11. März – 21. April 2013.

www.ccalagos.org

www.adolphusopara.com

Dieser Beitrag wurde mit der freundlichen Erlaubnis unserer Medienpartner C& Contemporary And. Platform for international art from African perspectives hier reproduziert. Den Original-Artikel finden Sie hier.

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FRAMING STORIES OF MYSTICAL INFLUENCES

Adolphus Opara’s large-format, painterly images of diviners from regions of South-western Nigeria at the CCA in Lagos

by Obidike Okafor

Adolphus Opara rattles the conscience of Africans with many questions, and uncovers hidden truths without knowing it, in his first Nigerian solo exhibition titled “Emissaries of an Iconic Religion” held at the Centre of Contemporary Art (CCA) in Lagos. In this pictorial feast of fifteen portraits, he engages the audience in a dialogue about the relevance of traditional beliefs within contemporary society.

Life in African modern society in some cases runs like a typical Nollywood movie (name given to Nigerian movie industry); for example when a woman has difficulties with childbirth she seeks medical expertise, before going to the church for answers when the hospital seems to fail, and when she has run out of patience with the church, local diviners become her last resort. Another example can be seen when a man is thrown into the jaws of harsh financial times after failing to hold down a job or succeeding at business, out of frustration he surrenders himself to the financial deliverance service of the church and when the dividends of this exercise seem too slow, he heads off to the rural areas to consult the deity of wealth. Centuries of missionary activity in Africa, coupled with the recent growth of the Pentecostal movement, has not changed this lifestyle, even with the number of shrines that have been burnt or abandoned.

So Adolphus Opara’s large-format, painterly images of diviners from regions of south-western Nigeria do not only invoke the symbols and narratives of indigenous religious belief, as well as its relevance and function within the community, but also remind us of how at desperate times Africans turn to the same traditional ideologies that they have kept at arm’s length or completely denied.

Opara’s training as a photojournalist has seen him focusing on the human stories he encounters on his travels throughout Nigeria and West Africa. His attention to detail influenced by the rising modernist art genre of portraiture, can be seen in the pose of each diviner, and in the emphasis on indigenous, religious and traditional contents such as effigies, masks, embellishments, paraphernalia of traditional and religious activities (bells, gongs, statuettes and others) which add to the mystical quality to each image. Opara also documents the names of each diviner dressed in either red or white, and the Orishas (gods) each represents.

The Yoruba traditional religion is an iconic combination of processes of human spirituality that encompasses a set of narratives, symbols, beliefs and practices. They reflect the practitioner’s experiences of life through reference to a higher power, Olodumare, and the belief in a multitude of spiritual deities. These deities attend to different needs of human life, like Orisha Lajoomi (deity of children),Orisha Odu (deity of protection and blessings), Orisha Egbe (diety of destiny), Orisha Oko (diety of harvest) and Orisha Ifa (deity of every good thing).

The photo-documentation is actually a statement that even if patronage of the traditional religion is at a low, as Africans we can never really forget where we are coming from. Our culture and traditions are stuck with us no matter how much we deny it. Opara, born 1982, may not have noticed it when he was taking the pictures between 2009 and 2011, but this “Iconic Religion” like icons remain relevant in our modern society even though fitting in religion has become harder.

‘Emissaries of an Iconic Religion’, Centre of Contemporary Art (CCA), Lagos, 11 March – 21 April 2013.

Obidike Okafor is a content consultant, freelance art journalist and documentary film maker based in Lagos.

www.ccalagos.org

www.adolphusopara.com

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